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Lesen bildet und wirkt ja oft auch stilbildend, wir empfehlen daher ganz dringend (insbesondere unserem großen Vorbild Werner Theurich) die Lektüre des Buches “Der Dandy. Wie er wurde, was er war”. Das im Böhlau-Verlag erschienene Werk von Melanie Grundmann zeigt übersichtlich und gut lesbar originale Texte zum Thema “Dandyismus”. Statt hier lange über den Inhalt zu faseln, liefern wir nachfolgend einen unserer Lieblingstexte aus dem Buch.

Aus “Pelham: Or the Adventures of a Gentleman”

  • Achten Sie weniger darauf, dass Ihre Kleidung Ihnen passt, als sie sie vielmehr schmückt. Die Natur sollte nicht kopiert, sondern von der Kunst erhöht werden.
  • Verletzten Sie mit Ihrer Kleidung niemals den allgemeinen Geschmack. Exzentrizität wird in großen Dingen als Genie geadelt; in keinen Dingen ist es reine Narretei.
  • Vergessen Sie nie, dass Sie sich nicht um Ihrer selbst Willen kleiden, sondern um die anderen zu faszinieren
  • Halten sie jegliche leidenschaftlichen Gefühle von sich fern, wenn Sie sich kleiden. Eine philosophische Gelassenheit ist für den Erfolg absolut notwendig.
  • Denken Sie daran, dass nur Männer von unzweifelhaftem Mut das Wagnis eingehen können, feminin zu erscheinen.
  • Erzeugen Sie nie den Eindruck, der Glanz Ihrer Ketten und Ringe sei Ihrer Wahl entsprungen; was natürlicherweise den Frauen gehört, sollte nur um ihrer Willen getragen werden. Albernheiten werden nur gewürdigt, wenn ein tieferes Gefühl den Anlass gibt.
  • Um die Zuneigung der Geliebten zu gewinnen, erscheinen Sie nachlässig in Ihrer Erscheinung – um sie zu erhalten, gewissenhaft. Ersteres ist ein Zeichen der Leidenschaft, letzteres von Respekt.
  • Ein Mann muss sehr berechnend sein, um sich vollendet zu kleiden. Man muss sich immer anders kleiden, je nachdem ob man einen Minister, eine geleibte, einen habgierigen Onkel oder einen prahlerischren Cousin besucht. Die Kleidung ist die raffinierteste Art der Diplomatie.
  • Ein schöner Mann kann protzig wirken, ein durchschnittlicher Mann sollte tadellos erscheinen. So wie wir in großen Männern etwas Bewundernswertes suchen, wollen wir normalen Männern nichts vergeben müssen.
  • Ältere Menschen kleiden sich anders als jüngere. Mangelende Aufmerksamkeit schickt den einen so wenig wie den anderen. Der Unterschied äußert sich im Geschmack: die Jugend will geliebt, das Alter respektiert werden.
  • Ein Narr mag sich auffällig, aber er wird sich nie gut kleiden können, denn dazu bedarf es Urteilsvermögens.
  • In der Form eines Kragens oder einer Locke kann mehr Pathos liegen, als naive Menschen glauben.
  • Das würdevollste Prinzip der Kleidung ist Sauberkeit – das vulgärste Genauigkeit.
  • Kleidung beinhaltet beide Seiten der Moral – die private und die öffentliche. Aufmerksamkeit ist die Pflicht, die wir anderen schulden – Sauberkeit schulden wir uns selbst.
  • Kleiden Sie sich so, dass man nie von Ihnen sagen kann: “Welch ein gut gekleideter Mann!” – sondern: “Welch ein Gentleman!”
  • Vermeiden Sie zu viele Farben. Bemühen sie sich die anderen durch einige dominierende und ruhige Töne zu ernüchtern.
  • Dem tiefen Betrachter erscheint nichts oberflächlich. Es sind Kleinigkeiten mit denen sich der Verstand betrügt.
  • Ein wohlwollender Mann wird die Gefühle der Anderen nie durch ein Übermaß an Unaufmerksamkeit oder Zuschaustellung schockieren.
  • Es liegt Gleichgültigkeit darin, in einem herabgelassen Strumpf zu gefallen – aber es mag Böswilligkeit in einem Diamantring liegen.
  • Neuerungen in der Mode sollen Addisons Definitionen eines guten Schreibstils gleichen und aus „Verfeinerungen”, die natürlich sind, ohne offensichtlich zu sein.
  • Wer Kleinigkeiten um ihrer selbst Willen würdigt, ist ein Müßiggänger, wer dies Aufgrund der Schlussfolgerungen und der Vorteile, die man aus Ihnen ziehen kann, tut, ist ein Philosoph.
DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
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