von Edelardo Feinolini

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Sprezzatura wurde von Baldassare Castiglione als Fähigkeit beschrieben, auch anstrengende Taten leicht und mühelos erscheinen zu lassen. Kurzum: Man soll sich immer von seiner besten Seite zeigen, dabei aber gekonnt verbergen, dass man sich bemüht, genau dies zu tun. In der Herrenbekleidung steht Sprezzatura für die gewisse Lässigkeit, die leider ganz im Gegensatz zur typisch deutschen perfektionierten Uniformität (grauer Anzug, weißes Hemd, gestreifte Krawatte mit passendem Einstecktuch, schwarze Schuhe) steht.

Besonders schön sind dabei auch die deutschen Insignien der Bedeutung, wie beispielsweise die Hermes-Krawatte. Jeder Vorstand, Bankdirektor und Immobilienmakler trägt heute eine, um zu zeigen, ich bin seriös und erfolgreich, ich kann es mir leisten. Während der erfolgreiche Italiener bei seinem Schneider eine Krawatte nach seinen persönlichen Wünschen anfertigen lässt, begnügt sich der deutsche Michel mit einem Stück Seide aus französischer Großproduktion. Woran liegt das? Haben deutsche Männer keinen eigenen Geschmack? Sind sie abhängig von Logos und Marken?

 

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
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