Krawatten sind ja für Menschen im Berufsleben häufig recht alltägliche Begleiter. Uns interessiert natürlich, was eine richtig gute Krawatte ausmacht (sicher nicht nur das Fehlen der Krawattenklammer) und wie gute Qualität und handwerkliches Können zu erkennen sind. Dazu haben wir dem Krawattenspezialisten Jörg Broska ein paar Fragen gestellt.

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SW: „Was unterscheidet eine gute von einer weniger guten Krawatte?”

Jörg Broska: “Bei minderwertigen Krawatten ist die Seide aus einer leichten und dünnen Qualität. Die Muster können nicht plastisch hervortreten und die Ware neigt zum knicken. Der Zuschnitt wird vereinfacht und die Krawatte wird nicht im korrekten 45 Grad Winkel zugeschnitten, die Musterverläufe an den Kanten der Krawattenspitze sind asymmetrisch. Die Futterstoffe sind aus Polyester, die Einlagen sind entweder aus Mischfasern die kaum Sprungelastizität bieten oder besonders dick, um so die Minderwertigkeit der Seide auszugleichen.

Bei der Fertigung wird die Mittelnaht mit einer Liba-Maschine genäht, die imitiert die Handnaht. Hierbei wird die Krawatte auf Links gedreht und mit einem einzigen Faden geschlossen, danach wird sie gewendet. Dieses Wenden ist für die Seide nicht besonders gut und muss durch übermäßiges Bügeln ausgeglichen werden.”

SW: “Gut, und woran erkennt man nun die wirklich guten Krawatten?”

Jörg Broska: „Hochwertige Krawatten dagegen bestehen aus schwerer, dicht gewebter Seide. Hier treten die Muster grafisch hervor und die Farben brillieren. Bei einer bedruckten Seide ergeben viele Farben erst die Intensität des Motivs.

Die schwere Seide bewirkt auch, dass die Krawatte rollt und so ihre luxuriöse Ausstrahlung bekommt. Der Zuschnitt wird einzeln, großzügig und im korrekten Winkel von 45 Grad vorgenommen. Danach werden die Kanten an der Krawattenspitze fein verschnitten, damit das Muster präzise verläuft.

Das Futter ist mindestens eine Bembergqualität. Die hochwertigsten Krawatten werden jedoch mit einem unifarbenen Seidenfutter oder einem Futter das aus derselben Ware wie der eigentlichen Krawatte besteht gefertigt. Das letztere wird Self-Tipping genannt.

Die Einlage besteht aus einer leicht gerauten Wollmischung mit hoher Sprungelastizität. Die Einlage füllt die Krawatte exakt aus. Durch die Einlage hat die Krawatte einen weichen fließenden Griff, lässt sich gut binden und kehrt nach dem Tragen schnell in ihre ursprüngliche Form zurück. Bei absoluten Spitzenprodukten wird zwischen der Krawattenseide und der Einlage noch ein Zwischenfutter eingenäht, dies erhöht die Rollwirkung und die luxuriöse Aussage der Krawatte.

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SW: „Und die Herstellung?”

Jörg Broska: „Das Nähen der Krawatte geschieht komplett von Hand. Zuerst wir die Seide um die Einlage gelegt und dann mit Stecknadeln festgesteckt. Danach wird mit einem ca. 1,60 m langen Faden die Krawatte “hohlgenäht”. Die Handnaht ist sehr elastisch und ermöglicht einen perfekten Sitz zwischen Einlage und Oberstoff. Am kleinen Ende der Krawatte wird nach Beendigung der Naht eine Fadenreserve sichtbar. Diese nie abzuschneiden, sonst löst sich die Naht auf.

Alle Bügelvorgänge beim nähen und beim wenden des Futters sowie das Finish werden von Hand ausgeführt. Die Schlaufe zum Einstecken ist aus dem gleichen Stoff wie die Krawatte und wird wie das Etikett von Hand angenäht. Ein Zierriegel aus Seide rundet die exklusive Krawatte ab.”

SW: „Was ist denn die absolute handwerkliche Spitze?”

Jörg Broska: „Eine Steigerung der Wertigkeit erhält die Krawatte über eine mehrfache Faltung der Krawattenseide. Anführen möchte ich hierfür zwei Varianten: Die gefütterte Siebenfalte mit einer leichten Einlage und mehrfachen Faltungen der Seide. Sowie die ungefütterte und handrollierte Variante, genannt “open-tie” die nur über der mehrfachen Faltung der Krawattenseide im inneren ihre Stabilität erhält. Durch ihre Anmutung erinnert diese Form der Krawatte auch an ihre ursprüngliche Herkunft nämlich den Foulard.”

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
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