Schöner Artikel von Claudia Michels aus der Frankfurter Rundschau über unseren Freund Rainer Wilhelm Mark:

Herr Mark verführt seine Gäste

Rainer Wilhelm Mark heißt der Inhaber des Ladens Mark Schuhwerk an der Großen Bockenheimer Straße Nummer 7 – und kommt markant daher. Ein zartes Lächeln um Augen und Mund, in einem dunkelblauen Anzug, der nicht das geringste Fältchen zeigt. Den Regenschirm lose über den Arm gehängt, über dem runden, leicht hochgestellten Hemdkragen den Krawattenknoten fest gebunden. Nur das Einstecktuch, weiß mit blauem Rand, kräuselt sich in der Brusttasche etwas unsortiert.

Rainer Wilhelm Mark ist eine besondere Erscheinung in der Einkaufswelt der Innenstadt. Er nennt sich einen Verführer: “Der Händler hat die Ware und verführt damit seine Kunden.” Wobei er lieber “Gäste” sagt, der liebenswürdige Herr Mark. Diese Fähigkeit, meint er beim Nachdenken über die bedrohte Lage des Einzelhandels, “beherrscht der Handel im Umgang mit den Kunden nicht”.

Der Mann hat eine richtige Strategie, “den Kunden zu verführen”. Er weiß ja, dass die Schränke gut gefüllt sind. Er legt es darauf an, “die vorhandenen Waren beim Kunden zu entwerten und damit Platz zu schaffen für etwas Neues”. Für einen Kauf seiner handgenähten Maßschuhe, die zum Beispiel in Wien gefertigt werden – nach dem von Rainer Mark entwickelten Leisten. Vorsicht also, mit welchem Paar Schuhe ein Mann dem Händler vor die Füße tritt. Der hat Ungereimtheiten im Auftritt gleich im Blick.

Keiner, der über Schuhe so viel weiß, wie Herr Mark. Schon vom Großvater her, der war Stiefelmacher, “in der Provinz”, im Odenwald. Schuhe, sagt der Schuhhändler, “müssen den Menschen in seiner Leibesmitte richtig lagern”. Leider ist das selten der Fall, weil Männer sich “im Handel” mit Fertig-Schuhen versorgen. Das sieht Herr Mark sofort – und er sagt es auch. Auf eine sehr gewinnende Art. Es folgt sein Lieblingssatz: “Dass die Zehen vorn Klavier spielen müssen.”

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
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