Liebe Freunde,

Slow-Wear ist dazu da, interessierte Menschen über Produkte, Händler und Hersteller zu informieren, deren Qualität und Anspruch immer noch weit jenseits des Label-Konformismus liegen. Wir loben und preisen jeden, der sich bei der Herstellung seiner Produkte Mühe gibt,  dem Fachhandel treu ist und seine Kunden mit guter Qualität erfreut. Wer sich allerdings von diesem Pfad der Tugend entfernt, kriegt es mit mir zu tun.

Und so möchte ich euch heute über einen Schuhmacher berichten, der uns gleich mehrfach negativ aufgefallen ist. Sein Name: Saint Crispin´s. Es ist offenbar so, dass Saint Crispin´s gerne Direktgeschäfte mit Kunden macht, die man im Rahmen von Veranstaltungen bei Fachhändlern kennengelernt hat –  so verschafft sich der Schuster die doppelte Marge und der Fachhändler hat keinen Umsatz.

So weit so schlecht, allerdings passiert bei Saint Crispin´s noch mehr: Einer unserer Partner bestellte gleich mehrere Schuhe (direkt) bei Saint Crispin´s. Nachdem klar war, dass der Händler  – über den der Kontakt zustande kam –  aus diesem Geschäft herausgelassen wurde, wollte er die Ware nicht annehmen. Zudem wurde während der Wartezeit auf die Schuhe die Rechnung gleich erhöht – was beim Schuhkauf so eher selten vorkommt.

Auch ist der (uns vorliegende) Schriftverkehr mit dem Kunden  von einem rüden Ton und wenig Dienstleistungsmentalität geprägt  – was vielleicht auf das raue transsilvanische Klima zurückzuführen ist. Obwohl kein Wunsch mehr nach den Schuhen bestand, wurden sie unverlangt per Post (Porto extra!) geliefert und trotz mehrmaliger Aufforderung bis heute nicht mehr abgeholt. Als zusätzlichen Service hat Saint Crispin´s den Kunden jetzt auf Bezahlung der unverlangt gelieferten Schuhe verklagt. Über den Ausgang des „Prozesses” werden wir berichten.

Wir wollten natürlich Michael Rollig von Saint Crispin´s zu diesem Vorfall zu Wort kommen lassen, unsere Fragen blieben aber unbeantwortet. Wir veröffentlichen sie dann eben ohne Antworten:

  • Ist es richtig, dass Sie Kunden, die Sie im Rahmen von Terminen bei Ihren Händlern kennenlernen, direkt bedienen, also bei solchen Geschäften auch die übliche Handelsmarge vereinnahmen?
  • Was sagen die Händler, die ja letztlich Ihre Marke bei ihren Kunden bekannt machen, zu solchen Direktgeschäften?
  • Wie kalkulieren und fakturieren Sie Ihre Endgeschäfte? Ist es zutreffend, dass Sie nach einer Bestellung die vereinbarten Preise noch um die Mehrwertsteuer erhöhen?
  • Schicken Sie Waren unverlangt ins Haus – auch wenn der Kunde kein Interesse mehr an Ihren Produkten hat?
  • Wie halten Sie es mit dem Rückgaberecht des Kunden, wenn die Ware nicht seinen Erwartungen entspricht?
  • Führen Probleme mit Kunden bei Ihnen häufig zu gerichtlichen Auseinandersetzungen?
  • Aus uns vorliegenden Mails Ihres Mitarbeiters Herr Car weht ein recht barscher und im feinen Dienstleitungsgewerbe eher unüblicher Ton. Wie schulen Sie Mitarbeiter mit Kundenkontakt?
  • Wie reagieren Sie bei Reklamationen? Uns wurde erzählt, Sie würden bei Qualitätsmängeln jede Verantwortung ablehnen, so sei es Ihnen nicht gelungen, spezielle und mangelhafte Schnürsenkel innerhalb eines Jahres zu ersetzen.
  • Rumänien – das Land in dem Ihre Schuhe produziert werden – hat ja eine große Schuhmachertradition. Die dort von Ihnen beschäftigen Mitarbeiter verdienen aber angeblich unter 500 Euro im Monat, angesichts der Preise Ihrer Schuhe ein recht geringes Entgelt. Wie sehen Sie das?
  • Inwieweit benötigen Sie bei der Schuhproduktion „Entwicklungshilfe” vom Aachener Schuhmacher Dieter Kuckelkorn?

Euer Edelardo

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
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