Wer nicht gerade auf bunte Indio-Tücher made in China steht, wird in Sachen Bekleidung wenig Freude haben an Bolivien. Der Anden-Staat mag zwar – ähnlich wie das Nachbarland Peru – berühmt sein für seine Alpaca-Herden (und mehr noch für seine Koka-Büsche). Aber im Prinzip muss alles, was einigermaßen schön verarbeitet ist, aus dem Ausland importiert werden – für Lederwaren insbesondere aus Argentinien. Nach originellem Design oder bemerkenswertem Kunsthandwerk sucht man meist vergebens. Umso größer die Überraschung, als unser Freund Alexander Marguier in Boliviens Hauptstadt La Paz unterwegs war und zufällig auf den Laden von Seregio Lucca stieß. Lucca ist ein gelernter Architekt französisch-italienischer Abstammung, der vor einigen Jahren in La Paz sesshaft wurde und dort sein Modelabel “Gitano Urbano” gründete.

Viele seiner Kleidungsstücke sind recht martialisch gestaltet und enthalten Anspielungen an die Indio-Kultur, ohne dabei im Ethno-Look zu verharren. Besonders interessant sind seine Lederwaren, neben Handtaschen auch Stiefel und Schuhe – allesamt aus lokaler Produktion.

Für umgerechnet 150 Euro kann man sich bei Sergio Luca ein paar ausgefallene Schnürschuhe maßanfertigen lassen: Der Designer ruft dann den Schuhmacher seines Vertrauens an, welcher fünf Minuten zu Fuß von seiner Werkstatt in den Laden braucht, um Maß zu nehmen.

Zwei Wochen später sind sie fertig, weitere zwei Wochen dauert es, bis die Schuhe als Postpaket in Deutschland angekommen sind. Das erfordert zwar ein bisschen Geduld. Aber sie lohnt sich für alle, die mit dem üblichen Souvenir-Ramsch nichts anfangen können und ein tolles Stück bolivianischer Handarbeit lieber mögen als Ponchos aus fernöstlicher Produktion.

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
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