Nachdem der talentierte Nicolas Berggruen ja nun einen eigenen Warenhauskonzern besitzt und überzeugt von der Zukunft dieser Verkaufsform ist, waren wir heute zu Besuch bei Karstadt in Frankfurt (Main). Unser Ziel: Suche  nach den Chancen dieser Verkaufsform.

Die Herrenabteilung ist durchwirkt von jungen und freundlichen Mitarbeitern, schöner Gegensatz zu manchem Einzelhandelsschnösel, aber das Angebot ist eine Mischung aus allem mittelmäßigen, was es überall gibt. Auch das Layout der Abteilung bietet mächtig Raum für Verbesserungen. Na ja, vielleicht sind wir ja auch nicht so direkt die Zielgruppe.

Doch an welche Zielgruppe richtet sich das Warenhaus eigentlich? In dem riesigen Bau an der Frankfurter Einkaufsmeile Zeil gibt es von Gummibärchen bis zum LCD-Fernseher alles, aber wer will schon alles? Neuer Versuch: Bücherabteilung. Hier liegt Ferdinand von Schirach ganz in der Nähe von Faber-Castell Buntstiften, eben Bücher UND Schreibwaren. Wirkt leider ziemlich ramschig, Präsentation ist lausig, es fehlt auch irgendwie eine belesene Fachkraft, die dem überforderten Besucher weiterhilft. Die Spielzeugabteilung hingegen ist großes Kino.

Die Parfümerie-Abteilung zeigt ein Spektrum von My Melody bis zu „Designer“-Düften. Die Mitarbeiterinnen – Herren sieht man hier nur unter den Kunden – nutzen die eigenen Produkte offensichtlich nur mit gemischtem Erfolg. Lebensmittelabteilung (Food Corner) ist tadellos, die Metzgerin hat Weltklasse-Format und straft alle Witzen zur „fetten Groben“ Lügen. Zurück zu den Strümpfen, hier eine schöne Falke-Sektion mit kompetenten Service. Drumherum alles vom Koffer über Schmuck bis zu Regenschirmen.

Fazit: Großes Angebot ohne Highlights, absoluter Mainstream vom Basement bis oben, alles gibt’s auch anderswo. Einzig der Klassiker „36 bitte Fernruf“ sorgt für Unterhaltung. Für jedes Angebot haben sich mittlerweile Spezialanbieter – auch in Warenhausform – etabliert. Egal, ob P&C, Zara, H&M und Konsorten, Mediamarkt, Douglas, Hugendubel und der ganze Rest – der Wettbewerb hat im Grunde das gesamte Angebot gecovert – nur mit mehr Marken, Aktionen und übrigens auch im besseren Design.

Wir sind gespannt, wie sich das Unternehmen (das ja stellvertretend für das uninspirierte Angebot aller deutschen Warenhäuser steht) weiter entwickeln soll. Nichtsdestotrotz haben die meisten Warenhäuser einen Vorteil: gute Lage und jede Menge Platz. Daraus ein attraktives und differenziertes Angebot zu entwickeln, kann angesichts des aussterbenden Einzelhandels eine Chance sein. Dafür braucht es aber mehr als die Kopie der Touristen-Konsumtempel KaDeWe oder Harrods.

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
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