Unter dem Titel „Wider das Rucksacktragen“ adressiert FAZ Redakteur Edo Reents einen Gruß „ An die Packesel“. Wir zitieren:

“Im Stummfilm können wir über die Missgeschicke hinterrücks anstößiger Menschen lachen. Im wirklichen Leben sind Rucksäcke würdelos und gemeingefährlich. Haltet inne, Ihr Esel und Stiesel, und überlegt, ob Ihr wirklich immer beide Hände frei haben müsst!

Sie sind überall, am liebsten da, wo wenig Platz ist. In gut gefüllten S-Bahnen und Fahrstühlen stehen sie phlegmatisch herum, stoßen einen andauernd an mit ihrer Last, die sie wie die Esel auf dem Rücken tragen, und drängen einen zur Seite, wo man gar nicht hinwill. Dies alles, dieses Stoßen, Rempeln und Herumschubsen, tun sie, ohne dass sie es selbst merken, wie das stumpfe Vieh, das auch nur die allergröbsten Berührungen registriert. Und sie stoßen mit Vorliebe dann, wenn sie sich umdrehen – wie früher in den Stummfilmen, in denen so ein Tölpel mit einem meterlangen Brett auf der Schulter bei der geringsten Richtungsänderung sofort alle Umstehenden ummähte, da war das Gelächter natürlich groß, hoho!

Wir sind aber nicht im Stummfilm, sondern in einer Welt, in der wir den Platz, den wir haben, so allgemeinverträglich wie möglich bewirtschaften müssen und in der es offensichtlich noch nicht genug Vorschriften gibt, sonst wäre diese auch ästhetisch nicht eben vorteilhafte Unsitte längst unterbunden.

Einfach würdelos

Deswegen ergeht von hier aus eine zwar noch gutgemeinte, aber hoffentlich unmissverständliche Warnung an alle Rucksackträger: Nehmt die Dinger gefälligst ab, sobald es irgendwie eng wird! Hört auf, Mitmenschen herumzustoßen, die Euch nichts getan haben und deren Nerven schon strapaziert genug sind! Erkennt, dass es Personen gibt, die der Schonung bedürfen, zu der nun einmal das Unberührtbleiben gehört, nicht so wie bei Euch, die ihr meistens auch noch mit einem Gang durch die Gegend schlurft, bei dem Euer Oberkörper von den Rucksackriemen eingeschnürt ist, was besonders lächerlich bei Anzügen aussieht, und Eure Arme immer so mechanisch nach vorne und hinten ruckeln wie bei einer Gliederpuppe.

Haltet also einmal inne, Ihr Esel und Stiesel, und überlegt, ob Ihr wirklich immer beide Hände frei haben müsst. Nehmt Euch ein Beispiel an denen, die noch Koffer und Aktentaschen tragen, die aus orthopädischer Sicht nicht ideal sein mögen, aber darum geht es eben nicht immer im Leben, schließlich sind wir alle keine Erstklässler mehr, um deren Rückgrat man sich Sorgen machen müsste, Eures dünkt uns robust genug.

Nebenbei: Was habt Ihr da eigentlich immer drin in Euren Säcken? Proviant für Euren Lebensweg, der auch nicht mühsamer sein kann als der unsere? Wenn der Mensch mit seiner Last, die das Gepäck, wie das Leben als solches, ja zweifellos ist, so direkt verschmilzt und sie im Notfall nicht auf Abstand gehalten werden kann, dann wirkt das einfach würdelos. Also, zum letzten Mal: herunter damit! (Rucksackträger, die sich auf Wanderwegen befinden, sind von dieser Anordnung selbstverständlich ausgenommen.)”

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL