Wir sind in Ferien auf Mallorca. Und ein gastronomisches Erlebnis können wir unseren treuen Lesern nicht verschweigen. Wir besuchen das Restaurant Tristan in Puerto Portals – in seiner eigenen Wahrnehmung (“So schmeckt Mallorca”) eines der besten der Insel – in unserer leider nicht. Aber nach der Reihe: zunächst hat uns die in der Reservierungsbestätigung gewünschte lange Hose für Herren gefreut – Dresscode, wenn auch nur in minimaler Ausprägung, schadet ja nie.

Der Dresscode der Mitarbeiter ist betont adrett und maritim – blauer Blazer, weiße Hosen, eigentlich wie in einer durchgestylten Boutique. Auch das Interieur des Restaurants weist in viele Stilrichtungen, die richtige war leider nicht dabei: unsere Highlights waren das Versace-Dekor des Geschirrs und der silberne Serviettenring mit „Tristan“-Gravur.

Die Weinkarte wird als ipad gereicht – hier machen sich erste Fluchtreflexe bemerkbar, denn was ist schöner, als in einer Weinkarte zu blättern? Die Weinkarte zu „wischen“ jedenfalls nicht. Eine Sommeliere aus echtem Fleisch gibt’s auch, aber aus Furcht vor der vermutlich demnächst ergänzten Sprachausgabe der Weinkarte hält sie sich eher „offline“.

Die à la carte Angebote geben auch beim besten Willen nicht die Möglichkeit, ein sinnvolles Menue zusammenzustellen und so entscheiden wir uns für das empfohlene Menue. Leider, denn abseits sämtlicher Styling-Probleme bleibt eine Erkenntnis: bis auf eine Ausnahme bleibt das gesamte Essen blass, aromenlos und auch die vermeintlich witzigen Vorträge der Servierer ändern daran nichts. Als uns von einem radebrechenden Osteuropäer ein „toller“ Fisch (allerdings in desolatem Zustand) gezeigt wird, denken wir eher, dass unser beschuppter Freund nicht an der Angel, sondern in einer Schiffsschraube sein Leben ausgehaucht hat. Kurzum: nichts, was uns beeindruckt hat.

An Affigkeit nicht zu überbieten ist der „Kaffee-Wagen“ mit dem der Kellner an unseren Tisch rollt: wir sehen verschiedene Kaffeebohnen in Reagenzgläsern und sollen nun durch beschnuppern der Kaffeesorten unseren Espresso auswählen – wir bestellen ohne zu schnuppern einen starken – für nur 7,50.

Wer wirklich gut essen und wissen möchte, wie Mallorca wirklich schmeckt, ist im Bens d’aval oder in dem wirklich schönen Leon Alberti in Palma – das uns mit seiner mallorquinischen Küche, dem unprätentiösen Service und einem Kaffe ohne Schnupperkurs sehr beeindruckt hat – gut aufgehoben.

 

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
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