Ein gelungenes Beispiel für eine misslungene Renovierung bietet das Operncafe am Frankfurter Opernplatz. In einer Stadt, die ihre Baugeschichte seit jeher mit der Abrissbirne streichelt, war das Opercafe über 30 Jahre ein gut gemachtes, durchaus patiniertes, Restaurant, das einstmals mit Geschmack und viel französischem Möbel als Nachfolger einer marxistischen Buchhandlung entstand. Das Operncafe eroberte als „Cafe wichtig“ schnell die Herzen der Frankfurter und bot zu Hochzeiten eine wunderbare Gäste-Melange vom Autor bis zum Zuhälter.

Gerne erinnern wir uns an die Kellner-Legenden Herr Rüdiger und Herr Wolfgang – dessen Bekanntheit wurde durch den als Türken (Ali) verkleideten und prompt unbedient geblieben G. Wallraff (Betroffenheitsbericht dazu damals im Stern) enorm gesteigert. Trotz eines kontinuierlichen Niveauverlustes (sowohl im gastronomischen Angebot als auch in der Qualität der Gäste) konnte sich das Operncafe über die Jahrzehnte behaupten, das Mobiliar klassisch, der Rest etwas in die Jahre gekommen, aber eben mit Geschichte.

Nun hat man das Operncafe nicht nur renoviert sondern umgebaut – was entstanden ist, lässt uns stumm zu Boden blicken. Aus einem klassischen Bistro mit sichtbaren Spuren wurde ein Gemisch aus Vapiano und Starbucks, das irgendwie so aussieht, als strebe es nach der klassischen Note, die ja gerade von Ahnungslosen wegsaniert worden ist.  Der seit Jahrzehnten von einem Filmplakat  (Garcon) fröhlich blickende Ives Montand wirkt nun wie ein Asylant, quasi späte Rache des Ali Wallraff.

Moritz Hunzinger, ein Frankfurter Sohn und langjähriger Gast des Operncafe fasst die Situation gewohnt gefasst zusammen: “Das alte Operncafe hatte seine Patina – und Nachteile: Es zog kühl am Eingang und müffelte schon abgangs bös nach Klo. Aber es war ja das gute, alte Operncafe. Im neuen Operncafe zieht’s nicht mehr am Eingang. Dafür sieht es aber danach aus, als hätte es eine ambitionierte Gastwirtsehefrau aufgemöbelt. Wozu gibt es wohl Innenarchitekten? Nun, in 20 Jahren wird das Operncafe wieder Patina haben.“

Positives gibt es aber auch zu vermerken: Küche und Weinangebot haben sich enorm verbessert und immerhin sind mit Carlo und Klaus noch zwei Kellner an Bord, die an die optisch besseren Zeiten des Operncafe erinnern.

 

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
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