Es gibt sie noch, die guten Dinge. Unter dieser Überschrift präsentiert Manufactum ein durchaus interessantes Warenangebot. Insbesondere bietet das Warenhaus eine schöne Plattform für viele Hersteller, deren Produkte von Sales- und Marketingexperten seit langem als nicht mehr attraktiv abgeschrieben wurden. Mit der Kombination von Warenhäusern in großen Städten, schön gestalteten Katalogen  und einem wirklich gut gemachten Online-Angebot ist Manufactum mit seinem anachronistischen Angebot mittlerweile eine Erfolgsgeschichte und bereichert ein stetig uniformer werdendes Warenangebot ganz erheblich.

So weit so gut, und jetzt müssen wir hier das große „aber“ platzieren. Denn das Angebot an Herrenbekleidung ist nicht nur bar jedes roten Fadens – von der Kniebundhose in sämisch Leder bis zu Jacken von Nigel Cabourn offeriert Manufactum ein teils sturzbiederes, teils wirres und in seinen Warenhäuern auch noch dürftig präsentiertes Angebot. Irgendwie scheint die strategische Klammer um dieses Angebot von Themen wie unverwüstlich, haltbar, von vergessen Berufgruppen getragen, modern am Klondike oder elegant auf dem Mount Everest geprägt zu sein. Im Katalog schreibt Manufactum über sein Angebot: “Einen Großteil dieses Angebots machen Eigenentwicklungen aus, bei deren Entstehung wir uns von den selben Prinzipien leiten lassen, die auch die Arbeit an unseren übrigen Warensortimenten bestimmen – das Material führt zum Produkt und der Zweck zur Gestaltung.“

Insbesondere die Ansicht, dass Material zum Produkt führt, halten wir für eine gedankliche Sackgasse. Denn nur weil in Bibabutzeburg einer seit dem Jahr 1203 Sackleinen produziert, ist das doch noch lange kein Grund, daraus ein Hemd mit der Struktur einer Tischdecke zu produzieren. Als Ergebnis des Manufactum-Prinzips ist das Angebot an Herrenbekleidung im Wesentlichen durch das Fernbleiben jeglicher Eleganz geprägt.

Sicher kann man in den Schuhen und Mänteln problemlos ein kleines Land überfallen oder 800 Kilometer auf dem Jakobsweg nach Sinn und Unsinn suchen, aber in der Großstadt? Und so teilt sich das Publikum bei Manufactum meist in elegantere Kunden, die gerne in der Lebensmittelabteilung einkaufen und rucksackbewährte, kordbehoste Erdkundelehrer, in Dinkelackerschuhen, mit Sohlen die auch Personenminen standhalten. Diese Kundengruppe sucht gerne nach Kleidungsstücken, die auch noch die Filialgeneration 12 tragen kann oder deren Hosenboden sich nicht an dem seit 1803 produzierten Sattel des handgemachten Hollandrades aufrubbelt.

Schade ist diese Situation vor allem deshalb, weil hier ein bedeutender Markteilnehmer die Chance verspielt, jungen und interessanten Herstellern ein Forum zu bieten. Dabei muss ja, wie unsere Leser seit langem wissen,  keineswegs auf Qualität und manufakturelle Herdstellung verzichtet werden. Und was wirklich nicht geht, ist die uninspirierte teilweise schlampige Warenpräsentation. Gedrängt, unsystematisch und von recht unwissendem Personal angeboten, zeigt Manufactum selbst die (wenigen) Highlights wie auf einem Kirchenflohmarkt.

Also, nicht das Material führt zum Produkt, sondern der Mut, nach anderen Kriterien die guten Dinge zu suchen, führt zu neuen Kunden und stützt ein vielfältiges Angebot.

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL