„Style is a state of mind“, so lautet unser Motto, deshalb engagieren wir uns seit fast fünf Jahren für kleine Produzenten, denen zunehmend eine Plattform fehlt.  Unsere Arbeit gilt stets dem Wohl  engagierter Hersteller, die mit Qualität, Passform, handwerklicher Kompetenz und Traditionsbewußtsein die textile Landschaft bereichern. Was uns in den vergangen Jahren auffällt: die von uns so geschätzten Produkte erklimmen immer neue Preishöhen und mittlerweile ist ein komplettes Outfit italienischer Provenienz in die preisliche Nähe eines Kleinwagens aus deutscher Produktion gelangt.

Wir haben uns gefragt, warum die Preisentwicklung so dramatisch nach oben zeigt. Aus dem Handel ist dazu immer das gleiche Mantra zu hören: Stoffpreise, Löhne, Transportkosten – alles steigt. Die D-Mark-Nostalgiker unter uns wissen es ja schon: ein Anzug aus Italien, der mal 2000 DM kostete, ist heute bei um die 2400 Euro angekommen. Jetzt gönnen wir natürlich allen ihr Auskommen, aber: mit dem Überschreiten des preislichen Rubikons von 250 Euro für ein Hemd mit etwas Handarbeit, oder eines ebenfalls teilweise handgemachten Anzugs für 2000 Euro und mehr wird die Zahl der potentiellen Kunden schnell sehr klein. Und weniger Kunden bedeuten letztlich auch geringere Stückzahlen für die Hersteller. Diese Preisspirale führt nach unserer Einschätzung auch dazu, dass immer mehr interessierte Kunden außen vor bleiben müssen.

Wir haben die Preisgestaltung der von uns so geschätzten Produkte ein wenig intensiver betrachtet. Der Preis, den wir als Kunden beim Händler zahlen, setzt sich aus den Kosten für den Ankauf des Produkts beim Hersteller und der Marge des Verkäufers zusammen. Die Kalkulation des Fachhändlers ist in der Regel so gestaltet, dass ein Anzug, der für einen Preis von 600 bis 800 Euro den Hersteller verlässt (inklusive dessen Kosten für Löhne, Rohstoffe, Mieten, Vertrieb, Marketing, etc.) irgendwo zwischen 2200 und 2400 Euro an die edle Kleiderstange des Fachhändlers gelangt.

Nun könnte ja auch die Dienstleistung des Händlers ein Argument für die Preisbildung sein. Auch wenn sich einige Händler in der Rolle der künstlerisch inspirierten „Italienversteher“ und Style-Gurus gefallen, so bleibt die eigentliche Leistung doch auf Warenpräsentation, Beratung und vielleicht noch Änderung beschränkt. Auf ihre doch üppige Kalkulation angesprochen, weisen die Händler gerne fast tränenreich auf Kosten und Risiken des Geschäfts hin. Für uns erkennbar bestehen diese Risiken in den Finanzierungskosten und – wohl entscheidend – dem Abverkaufsrisiko. Wir wissen alle, dass die Händler im Laufe der Jahre ein umfangreiches „totes Lager“ aufgebaut haben, welches sie oft auch mit hartnäckigem Schlussverkauf nicht wirklich abbauen können. Wir fragen uns aber, ob dieses tote Lager, in Verbindung mit den anderen Kosten für Miete, Personal etc.,  Margen rechtfertigt, die aus einer Ware, die vielleicht 600 Euro im Einkauf kostete, ein Produkt für über 2000 Euro werden lassen.

Interessant wird es natürlich, wenn der geneigte Kunde sich (wir bleiben hier bei unserem Muster-Anzug) ein Stück anfertigen lässt. Dieses Geschäft wird nach unseren Beobachtungen immer wichtiger, da hier weder Absatz- noch Finanzierungsrisiken eine Rolle spielen, denn der zahlungsbereite Kunde hat sich ja bereits entschieden und wird spätestens bei Abholung bezahlen. Man sollte also meinen, die Kalkulation wäre jetzt eine andere. Aber weit gefehlt: Preis bleibt gleich, ist vielleicht sogar noch etwas höher, denn der „besondere“ Service will auch bezahlt werden. Wir fragen uns allerdings: warum?

Besonders spannend ist die Preisentwicklung nach etwa sechs bis acht Wochen regulärer Verkaufszeit, wenn das Schlußverkaufs/Sale/Saldi-Fieber einsetzt. Hier fallen die Preise dann recht flott um 50% und unser Anzug hängt nun für 1200 Euro an der edlen Kleiderstange. Der dazugehörige Händler bricht keineswegs in Tränen aus, wenn er zu diesem Preis verkauft. Möglicherweise ist mit der Reduzierung ja der faire Marktpreis erreicht – dafür spricht, dass zu diesem Preis auch andere Kundengruppen erschlossen werden und damit die notwendigen Stückzahlen für die Hersteller einfacher zu erreichen sind.

Nun sind wir die Allerletzten, die den Handel und seine Bedeutung nicht über alles schätzten, aber es stellt sich die Frage, ob diese Preispolitik im Sinne einer nachhaltigen Existenzsicherung für die gesamte Wertschöpfungskette ist. In einer freien Marktwirtschaft ist ohnehin jeder so frei, die Preise zu machen, die er für richtig hält. Er muss sich dann auch gefallen lassen, dass sein Geschäftsmodell durch  Marktteilnehmer in Frage gestellt werden, die eine Preispolitik verfolgen, welche die Produkte einer größeren Zahl von Kunden zugänglich macht.

 

 

 

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
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