In der Welt der medialen Mode-Tristesse spielt die Deutsche Presse Agentur eine herausragende Rolle. Stets bemüht, bereichert Sie die Medienlandschaft mit Erkenntnissen, die der stilistisch normal gebildete Mensch schon mit der Muttermilch aufgesogen hat. Diesmal widmet sich die journalistische Speerspitze der textilen Ahnungslosigkeit der angeblichen Renaissance des Einstecktuchs. Und uns  – und offenbar auch Prinz Charles – war nicht einmal klar, dass dieses Accessoire irgendwann von der Bildfläche verschwand.

Und natürlich wird das Feature unter dem reißerischen Titel “Markenzeichen für Gentlemen – Das Einstecktuch ist zurück“ in der einen oder anderen modisch eher ländlich geprägten Zeitung veröffentlicht. Zitiert werden die üblichen „Fachleute“, unser Liebling ist Herr Müller-Thomkins, der mit seinem Mode-Institut quasi die verbeamtete Sicht auf textiles Schaffen betreut. Er erklärt: “Die Pochette kam Anfang des 19. Jahrhunderts auf. In der Biedermeierzeit begann das einfache Bürgertum, sich zu schmücken. Elemente dieses konservativen Stils sind heute wieder in Mode: “Seit einigen Saisons sprechen wir über eine neue Bürgerlichkeit”, sagt Müller-Thomkins. Modebewusste spielten heute gerne den Spießer“. Und er legt nach: „Für Gerd Müller-Thomkins ist die Pochette derzeit das Zeichen für jene, die von sich behaupten wollen, modebewusst zu sein. Der Mann zeige damit, er trage nicht nur “das typische 08/15-Bürooutfit”.

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
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