In der Wirtschaftswoche lesen wir unter dem Titel „Wenn Manufakturen ohne Handarbeit herstellen“ einen aufschlussreichen Artikel zur inflationären Nutzung des ehemaligen Distinktionsmerkmals „Manufaktur“.

Als Nebenkriegsschauplatz: In einem Gespräch mit einem langweiligen Manager einer noch langweiligeren „Marke“ wurde wieder eines deutlich: Auch der Begriff „Luxus“ wird inflationär gebraucht. Besagter Manager definierte ihn als durch hohe Preise geprägte und von Marken erzeugte Ware. Dabei mussten wir immer auf den quer in der Knopfleiste des (Ralph Lauren) Hemdes platzierten Montblanc-Griffel starren. Und damit nicht genug, da der Deutsche immer gerne Initiativen, Vereine oder Arbeitskreise gründet, haben sich unter dem Titel „Meisterkreis“ Unternehmen zusammengefunden (Gibt’s schon länger, ist uns aber eben erst aufgefallen). Der Markenmanager ist auch dabei. In aller Bescheidenheit schreibt die Initiative über sich „Unter den mehr als 40 Mitgliedern finden sich Spitzenunternehmen, herausragende Persönlichkeiten und Institutionen des kulturellen und wissenschaftlichen Lebens sowie internationale Luxusmarken, die fest im deutschen Markt etabliert sind“

Das Beste: „Zum MEISTERKREIS gehören Unternehmen wie A. Lange & Söhne, Brenner’s Park Hotel, Gaggenau, KaDeWe, Leica, Lufthansa First Class, Meissen, Montblanc, Robert Weil und Talbot Runhof sowie die internationalen Marken Chanel, Dior und Estée Lauder. Institutionen wie die Berliner Philharmonie und die WHU – Otto Beisheim School of Management sind assoziierte Mitglieder. Sie alle verbindet die besondere Meisterschaft im Umgang mit Materialien und Ideen, eine Leidenschaft für kompromisslose Perfektion, eine ausgeprägte Servicekultur und ein Höchstmaß an Kreativität und Innovation, die im gegenseitigen Austausch und neuen Kooperationen gepflegt und weiterentwickelt werden“.

Die Meisterschaft der Lufthansa, KaDeWe oder des Vorhangproduzenten JAB Anstoetz blühte ja bisher eher im Verborgenen – hatte eher was von Haus-Meister. Unser großer Vordenker Edelardo Feinolini hat vor Jahren in einem Essay zum Thema Luxus “Luxus: Die Qualität, nicht das Preisschild zählt” die wesentlichen Punkte definiert – sogenannter Luxus a la Meisterkreis ist einfach nur (schlechtes) Marketing.

 

 

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL