Wir sind zwar mit Benzin im Blut versehen, haben aber bisher darauf verzichtet über dererlei Themen zu berichten. Aber bei Klassikern machen wir heute mal eine Ausnahme, zumal dieser ab 2015 aus dem Programm von Land Rover genommen wird. Wir waren ein paar Tage in dem SUV-Großvater Defender unterwegs und müssen uns einfach ein paar Eindrücke von der automobilen Leber schreiben. Als Land Rover im Jahr 1948 in England sein erstes Auto in Serie baute, begann eine Erfolgsgeschichte. Heute steht der Defender, der damals mangels Stahl aus Aluminium gebaut wurde, in dem Ruf, weltweit unzugängliche Landstriche zu erobern. In der deutschen Zulassungsstatistik läuft der Brite übrigens in der Rubrik „Nutzfahrzeuge“. Wir haben versucht zu testen, was der Defender 90 TD4 im On- und Offroad-Einsatz kann.

Einstmals gebaut ohne gefederte Sitze, Seitenscheiben mit Gummidichtung, oder gar  abschließbare Türen, bietet das Vehikel heut deutlich mehr Komfort. In den letzten Jahren wurde der Defender durch eine Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber (nur vorn), eine verbesserte Heizung und Belüftung sowie durch ein neu gestaltetes Armaturenbrett optisch und technisch aufgewertet. Der Defender wurde damit zwar komfortabler aber keinesfalls komfortabel und er hat seine legendär praktischen Vorzüge über die Zeit des Mutti-SUV-Booms gerettet.

Seit 1989 trägt der Wagen, der einen cw-Wert wie Westminster Abbey hat, denn Namen “Defender”. Angeblich entstand der Name in einer Bostoner Kneipe, als britische und amerikanische Rover-Mitarbeiter in der alten Kolonialstadt eine Tea-Party (kleiner Scherz) feierten. Das Auto ist optisch ein Klassiker, selbst in von Radfahrern übersäten Innenstädten gilt ihm ein anerkennendes Nicken, den der Fahrer wird als echter Landedelmann, Tierarzt oder Bauer verortet. Der Nutzwert des Defender im Stadtverkehr ist zu vernachlässigen, er will raus, Schlaglöcher, Matsch, Schnee oder Schotter ist der Untergrund, den dieser Bolide braucht.

Hinsichtlich des Fahrwerks muss sich ein Defender-Fahrer ohnehin vor nichts fürchten: Die Starrachsen an Schraubfedern nehmen auch eine härtere Gangart nicht übel, im Gegenteil: Je schlimmer der Untergrund, desto souveräner zeigt sich das Fahrwerk. Als Antriebsquelle im Bug arbeitet ein TD4-Turbodiesel-Direkteinspritzer mit Ladeluftkühlung, der sorgt für ordentlichen Durchzug, Laufkultur und relative Wirtschaftlichkeit sowie ausreichend Schub im Gelände.

Mit groben Reifen besohlt wie unser Testwagen, entpuppt sich der Land Rover als wahrer Kletterkünstler. Denn der Defender muss seine Traktionsverteilung nicht komplett der Elektronik überlassen. Durch das sperrbare Zentraldifferential kommt an Vorder- und Hinterachse immer gleich viel Kraft an. Die ETC (Electronic Traction Control) muss sich auf losem und rutschigem Untergrund nur um die Räder einer Achse kümmern. Mittelschweres Gelände, also keinen innerstädtischen Supermarkt-Parkplatz, kann man meist gemütlich durchkreuzen, ohne das ETC in den Regelbereich zu bringen.

Aufrüstung ist kein Thema: Das werksseitig lieferbare Zubehör umfasst bis zur Seilwinde alles, was man offroad so zum Leben braucht.

 

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
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