Wir freuen uns immer über jede Initiative zur Verbesserung des Erscheinungsbildes der männlichen Teutonen. Leider sind ja die meisten diesbezüglichen Projekte von einer guten Portion Ahnungslosigkeit, quälender Langeweile, Oberlehrerhaftigkeit und vor allem von steter Wiederholung der ewig gleichen Lehrsätze geprägt.

Der Beck-Verlag hat uns nun ein Buch mit dem Titel „Was Mann trägt. Gut angezogen in 12 Schritten“ zukommen lassen, wir wollen die Erkenntnisse zu diesem Buch auch unserer geneigten Leserschaft nicht vorenthalten. Positiv: Die Idee des Buches, wesentliche Bestandteile einer Einsteiger-Garderobe für die meisten Anlässe zu definieren, ist gut, wenn auch nicht sonderlich neu.

Die Lektüre der Einlassungen des Autors ist von Beginn an recht zäh. Uns überrascht der manierierte Stil des (jungen) Schreibers, gepaart mit dem Ausbleiben jeglichen Sprachwitzes und limitierten Fähigkeiten das Thema in ansprechender Weise in Worte zu fassen. Der Lehrer-Ton gemahnt uns an die Kochbücher unserer baltischen Großmutter: Eingedenk der vermutlich eher jungen Zielgruppe stellen wir uns die bange Frage, warum muss ein Autor, der gerade mal Mitte zwanzig ist, einen derart langweiligen Sprachstil zu Papier bringen. Dazu kommen dann noch Stilblüten wie „der Fachhandel fällt der Krawatte in den Rücken oder „Socken … zeigen auch beim Sitzen immer etwas Haut und Haar zwischen Sockenende und Hosensaum – ein Look, der noch niemanden gut zu Gesicht gestanden hat“, unser Favorit: „Entfernen Sie punktuelle Verschmutzungen auch nur punktuell“. Und als wäre das nicht schon ausreichend bedenklich, präsentiert sich das Layout stark einfallslos und die Illustrationen erinnern eher an einen Rorschach-Test.

Ermüdend wortreich mäandert sich der Autor durch das Thema Blauer Anzug, gibt biedere Farbempfehlungen für Hemd, Krawatte, Strumpf, Schal und Pullover und verziert obendrein beinahe jedes Kapitel mit Waschanleitungen, die selbst Klementine neidisch machen würden. Zusätzlich versetzen Einleitungen wie „Man möchte meinen“ oder „Wie bereits gesagt“ – hier stets gefolgt von der anschließenden Wiederholung des bereits Gesagten – den Leser in einen Zustand anhaltender Langeweile. Warum ausgerechnet der Trenchcoat – vorgestellt mit der x-Mal gehörten Schützengraben-Anekdote – ein wichtiger Bestandteil der täglichen Garderobe sein soll, bleibt das Geheimnis des Autors.

Insgesamt ist das Buch aus unserer Sicht zu sehr geprägt von Mutlosigkeit und Unsicherheit, die ausufernd  mit Ingenieurswissen, Anekdötchen und „Fragen Sie Frau Barbara“-Diktion – kaschiert werden sollen. Will der Autor  Legionen von Businessuniformierten in blauen Anzügen mit braunem Derby am Fuß, hellblauem Hemd und mittelgrauer Krawatte, plus Trenchcoat heranziehen? Und der weidlich bekannte und enorm ausführlich geschilderte verspießerte Freizeitlook mit Chino und x-Braunen Pullover ist ja selbst für die Generation der Silversurfer keine Option mehr. Die Auslassungen zum Thema Jeans, die vom Träger „planvoll“ und „informiert“ eingesetzt werden sollen, lesen sich daher auch so anregend wie die Speisekarten eines Seniorenheimes.

Übrigens: Wer mit kleinem Budget vernünftige Qualität erwerben will, der geht doch nicht in ein „Kaufhaus“, sondern zum Schlussverkauf des Herrenausstatters, oder gar ins Internetz – und auch nicht ganz undenkbar: in eines der euphemistisch „Outlets“ genannten Shopping-Ghettos auf der grünen Wiese.

Wir finden es gut, wenn junge Männer sich dem Thema Kleidung und dem, was damit zu tun hat, zuwenden. Aber die Wiederholung der Wiederholung, vorgetragen in einer Vorstandsvorsitzenden-Verkleidung und mit bedeutungsvollem Literaten-Füllfederhalter in der siegelberingten Hand, wirkt auf uns nicht so zeitgemäß. Fazit: Seit Herrn Roetzels Buch hat es leider kein Autor mehr geschafft, zum Thema Herrenbekleidung mal was wirklich Neues oder zumindest Spannendes zu erzählen und auch in stilsicherer Optik zu „verpacken“.

 

 

 

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
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