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Mit dem Regisseur Cary Fukunaga, der anlässlich der Emmy Verleihung mit einer Flecht-Zopf-Frisur aufwartete, beginnt im Internet eine Debatte um Zopffrisuren bei Herren. Der Verfasser dieser Zeilen lebt seit geraumer Zeit getrennt von seinem Haupthaar und kann hier eine eher neutrale Position aufweisen. Trotzdem lassen uns die diversen Haarverpflanzungen im frisurauffälligen Profifußball aufhorchen. Die bange Frage: Müssen Männer eine Frisurenmode beachten?

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Im Showgeschäft und bei Rasenspielen ergibt sich offenbar neben der eigentlichen Tätigkeit auch immer ein sehr expressiver Selbstdarstellungszwang, der sich häufig in der Aufbereitung des Haupthaares kanalisiert. Die Miniplie Vokuhila oder auch das gesträhnte Haupthaar haben sich im Rückblick als eher albern und für dauerhafte Distinktion ungeeignet erwiesen. Der Zopf war mal eine Zeit das Markenzeichen von Kreativen (und unserer Jugendliebe in der 2. Klasse) ist aber mittlerweile im verklemmten Bio-Spießertum in der Mitte des Gesellschaft und darunter angekommen.

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Historisch gesehen ist der jetzt so gehypte geflochtene Zopf auch Teil der germanischen Geschichte, hier wurde aber weniger Wert auf Eleganz als auf Brandschatzen und Plündern gelegt, was die Frage nach dem Wert solcher Frisuren in der Gegenwart unbeantwortet lässt.

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Ist die Frisur als modisches Statement wichtig? Wir finden, auch hier kommt es auf die Passform an, denn das Haupthaar soll ja irgendwie zum Besitzer, seinem Kopf und seiner Lebenswirklichkeit passen – Alltagsflucht via Haarkleid kann es nicht geben, Exotik am Sklap wirkt eigentlich immer bemüht. Modefrisuren gehen einher mit Massenhysterie auf dem Friseurstuhl und vermitteln dann eben nicht die gewünschte Individualität bei der Kopf-Behaarung, sondern führen vielmehr zu einer kollektiven Einheitsbepelzung – gut erkennbar angesichts der angesagten Rauschebärtigkeit, die uns eine Vielzahl von kaum zu unterscheidenden Bartgesichtern beschert.

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Kurzum: Jeder soll nach und mit seiner Haarfaçon glücklich werden – aber bitte nicht dem Beispiel von Schauspielern, Regisseuren oder Fußballspielern folgen.

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
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