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Mit dem Oktoberfest beginnen in München die Trachten-Festspiele für Zugereiste, bayerische Dandys und Traditionalisten. Der gefühlte Trachtenzwang setzt Besucher stark unter Zugzwang und so blühen die Billigdirndl und Vileda-Lederhosenläden, um die saisonale Trachtenseeligkeit auf bezahlbarem Niveau zu befriedigen. Wirklich lächerlich wird es allerdings, wenn bei Lodenfrey das Wiesn-Fieber ausbricht – die Belegschaft geht jetzt „zwangsvertrachtet“ und schon springen Seppl und Resi zwischen Designer-modellen und Trachtenabteilung hin und her.

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Besonders abstoßend auch die Versuche, Tracht in einen modisch-zeitgeistigen Look zu überführen – damit wird ja letztlich der Gedanke und die Identifikationsstiftung hinter dieser oft Jahrhunderte alten Tradition auf dem Altar des modischen Schnick-Schnacks geopfert. Wenn dies durch Billig-Grossisten oder dem Geisen seine Frau passiert, ist das unangenehm, aber zu verkraften. Wenn sich aber Traditionshäuser wie Lodenfrey oder Hersteller wie Meindl oder Angermaier – der sich mit den Machern von Dandy Diary ja eine mäßig gute Lederhosen-Kooperation gegönnt hat – nicht zu doof sind, Vintage/Moonwashed/Baggy/Lederhosen zu produzieren,  wird es makaber. Gerade der Herr Meindl, von dem der Satz stammt „Das Gewand soll nicht jodeln“, muss an dieser Stelle mit der Sämisch-Leder-Eselsmütze in die Ecke.

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
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