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Der französische Neurowissenschaftler Jonathan Touboul hat den so genannten “Hipster-Effekt” in seinem Aufsatz “The Hipster Effect: When Anticonformists All Look the Same” beschrieben. Toubol erklärt am Beispiel der Hipster das Phänomen, warum Individuen, die nicht zum „Mainstream“ gehören wollen, trotzdem ähnlich aussehen.

Die vermeintlichen Speerspitzen neuer Trends leiden unter dem gleichen Problem: Sie sind schlicht zu langsam. Denn niemand ist offenbar in der Lage, die neuesten Trends in Echtzeit aufzunehmen. Und so dauert es eben, bis sich ein Trend von New York bis nach Hannover verbreitet. Es entsteht eine verspätete Wahrnehmung an deren Ende mehr oder weniger alle gleichzeitig auf den Trend-Zug aufspringen. Dann alle im Konzert: Bart, Röhrenjeans und Jutetasche. Natürlich wirkt der einzelne in einer Ansammlung von Schalke-Fans modisch immer noch höchst individuell, im Szene Coffe-Shop für den tollen fair gehandelten Filterkaffe ist die Individualität aber schon verschwunden.

„Obwohl sie sich sehr bemühen anders zu sein, endet es oft damit, dass Hipster ständig die gleichen Entscheidungen treffen. In anderen Worten: sie sehen alle gleich aus“ erklärt Toubol

Und obwohl die zur Schau getragene Individualität mittlerweile auch in gut gemachten (trendsetenden) Magazinen wie der Heritage-Post etwas abziehbildhaftes hat, weil eben jeder sein tolles Messer, die unglaublichste Crafted-Jeans und den witzigsten Oldtimer hat, gilt trotzdem: hier wird viel Wert auf Qualität gelegt und allein das ist schon in Zeiten von kollektiver Outdoor-Optik hilfreich und lobenswert.

 

pitti-uomo

Außerdem: die Schuh-, Knopfloch und Gentleman-Ingenieure in den einschlägigen Foren sind nicht minder langweilig und uniform. Wer die alljährlichen Gockel-Bildchen von der Pitti-Uomo betrachtet, kann sehen, dass sich Toubols Beobachtungen perfekt auch auf die Welt der Protagonisten sartorialer Herrenbekleidung übertragen lassen. Also: nicht dem Trend folgen, sondern eigenen Stil entwickeln, ist zeitlos, individuell und man kann wird nicht Gegenstand von Forschungsreihen.

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
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