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Aus Anlaß des 65jährigen Wiegenfestes unseres Stil-Helden Edelardo Feinolini hier nochmals die wichtigsten Stationen seines bewegten Lebens. Feinolini wurde 1950 als Sohn eines italienischen Wanderarbeiters und einer deutschen Näherin in Köln-Porz geboren. Bereits während der Schulzeit entdeckte der junge Feinolini – damals als Ministrant – die Magie der Bekleidung und seine Neigung zu prunkvollem Klerikalbedarf, insbesondere prächtige barocke Osterleuchten und Pfingstornate hatten es ihm angetan.

Nach dem Abschluss der Konrad Adenauer Realschule begann er eine Lehre bei dem in der Stadt sehr angesehenen Änderungsschneider Hüseyn Attmawürz. Doch die unterschiedlichen Ansichten seines Lehrherren, gerade zum Thema Qualität und Passform, ließen Feinolini die Lehre abbrechen und vor dem Zorn des Vaters nach Rom fliehen. In der italienischen Hauptstadt galt sein Interesse den vielfältigen ästhetischen Manifestationen des katholischen Glaubens.

Edelardo Feinolini brachte sich in der Stadt am Tiber selbst die hohe Schneiderkunst bei und machte sich im Vatikan einen guten Namen mit seinen Entwürfen zu Kardinals- und sogar einigen Papstroben. Als Meilenstein gilt unter Insidern sein Entwurf „urbi et orbi”, bei dem er die klassische Linienführung der tradierten römischen Kardinalsrobe („urbi”) mit Stickereiarbeiten aus Kaschmir („orbi”) verband.

Nach Streitereien mit dem päpstlichen Nuntius in Bezug auf Saumlängen und Transparenz der Materialien verließ Feinolini Rom und etablierte in den späten 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die erste „Sartoria Immortale” in Neapel. Seine Grundlagenforschung führte unter anderem zur Entwicklung der „neapolitanischen Schulter” – gerne auch als die „leichte Schulter” bezeichnet.

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Ein Ausflug in die Welt des Interior-Designs endete mit einem Eklat, denn Feinolins Turiner Duschvorhang, der dem Turiner Grabtuch nachempfunden war, führte zu heftigen Demonstrationen frommer Italiener.

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Feinolinis körperbetonte und elegante Formensprache hat die Auftritte zahlreicher prominenter und eleganter Persönlichkeiten geprägt. Leider unterscheidet sich die Sprache aus dem Mund des Meisters von der Sensibilität seiner Entwürfe oft aufs Gröbste. Gerade seine Verbundenheit zu Deutschland lässt ihn häufig den deutschen Modemachern zürnen. Werner Baldessarini bezeichnete er als den „Hugo vom Boss”, den alternden Wolfgang Joop nannte er den Tunt-Ench Amun von Potsdam und zwar sowohl hinsichtlich der Aktualität seiner Entwürfe als auch der Beschaffenheit seines Teints.

In Deutschland wird er daher auch als „Trapattoni” der Herrenmode verfemt und von den Medien ignoriert. Feinolini ist verheiratet, seine Frau Francesca kommt aus dem unermesslich reichen neapolitanischen Baunistrada-Clan, der sich seit Jahrzehnten an dem erfolgreichen Ausbau der neapolitanischen Infrastruktur aus EU-Mitteln beteiligt. Herrenbekleidung entwirft und fertigt er heute nur noch für Freunde und Familie, seine kleine Schneiderei liegt versteckt in der Viale Nostra Cosa.

Edelardo Feinolini lebt inzwischen zurückgezogen auf seinem Landgut in Kampanien. Doch das Slow-Wear Team konnte ihn davon überzeugen, mit einer Kolumne das Forum zu bereichern. Wir freuen uns darauf, an dieser Stelle regelmäßig die Ansichten eines der ganz großen Herrenschneider unserer Zeit veröffentlich zu können.



DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
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