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Zum anstrengenden Teil des Bekleidungsthemas gehört das dumpfe Gefühl, dass zwischen Scheitel und Sohle irgendwie alles schon mal da war und selbst das Dagewesene von faden Gentleman-Darstellern im Rahmen ihrer gefühlten Deutungshoheit nur wiedergekaut wird. Aber weit gefehlt: Mit Leonard Kahlcke betritt ein Schuhdesigner und Leistenentwickler die Bühne, der sich anschickt in diesem bodenständigen Segment der Herrenbekleidung für frischen Wind zwischen den Zehen zu sorgen.

Photo Wolfgang Leihener

Photo Wolfgang Leihener

Aber von Anfang an. Der Frankfurter Leonard Kahlcke hat Kunst und Design an der HfG in Offenbach studiert und intensive Menschenkenntnis und Managementerfahrungen bei der Leitung eines Frankfurter Untergrund-Nachtclubs gesammelt. Versehen mit einigen Stipendien begann Kahlcke im Jahr 2009 in Rotterdam mit seiner ersten Schuhkollektion. Er erhielt in der Folge das Stipendium der “Worshipful Company of Cordwainers” am London College of Fashion und schloß dort sein Studium des Schuhdesigns ab. Seine Abschlußkollektion wurde 2012 in London mit dem “Dato Jimmy Choo Award” ausgezeichnet und beim International Talent Support 2013 in Triest gewann er den Preis “Accessory collection of the year”.

In Frankfurt an der Neuen Mainzer Straße 22 unterhält er seit zwei Wochen das “Schuhatelier Leonard Kahlcke“. Hier – auf rund sieben Quadratmetern in den Räumen der legendären Antiquitätenhändlerin Cornelia C. Barras – zeigt der Meister einige seiner Entwürfe, vor allem aber lagern hier rund 45 Paar Schuhe in unterschiedlichen Größen und Weiten, die Kahlcke als Basis für die Ermittlung der perfekten Paßform selbst entwickelt hat.

Der Schuh entsteht immer in direkten Dialog mit Leonard Kahlcke – der übrigens ein enorm kenntnisreicher und angenehmer Gesprächspartner ist. Machart und Modifikation sind ebenso wählbar, wie gewünschte oder nötige Nuancen in der Passform und Schnittführung. Die Schuhe von Herrn Kahlcke werden ausschließlich per Hand gefertigt, der aus seiner Sicht einzige Weg um seinen Ansprüchen an Paßform und Ästhetik gerecht zu werden. Die Herstellung übernimmt ein Familienbetrieb in Österreich, der seit Generationen für höchste handwerkliche Kompetenz steht. Auch die Lederauswahl ist beeindruckend – Leonard Kahlcke will nichts, aber auch garnichts bei seinen Schuhen dem Zufall überlassen.

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Und so ist in Frankfurt ein Platz entstanden, an dem Mann sich einen schönen Schuh anfertigen lassen kann und dabei sehr gut und kenntnisreich beraten wird. Die Frische, mit der der “Seiteneinsteiger” Kahlcke hier dem Regiment der tradierten Produzenten auf die eingeschlafenen Füße tritt, gibt Hoffnung. Und richtig gute Schuhe. Lieferzeit sieben bis 12 Wochen. Preise ab 880 Euro.

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
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