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Das Schild von P. & C. Habig hing an der Hauswand der Calle Larga XXII Marzo in Venedig.

Dazu ein wenig historischer Hintergrund (Quelle Wienbibliothek) zu diesem einstmals bedeutenden Hutmacher. Über die Gegenwart des Unternehmens verlieren wir aus Pietät kein Wort.

Hüte für fünf Kontinente: das Wiener Unternehmen P. & C. Habig

Peter Habig wurde am 29. Jänner 1839 im hessischen Salmünster geboren. Als Jugendlicher kam er mit Franz Auhl, einem entfernten Verwandten, nach Wien. Auhl hielt mehrere Patente im Bereich der Huterzeugung. Habig erlernte in mehreren Werkstätten das Hutmacherhandwerk, deren Ausbildung er 1858 in Korneuburg abschloss. Nach fünf Jahren als Geselle auf Wanderschaft heiratete er 1863 Auhls Tochter Adelheid. Sie brachte als Mitgift das Hutgeschäft ihres Vaters in die Ehe, das das Paar bis 1866 als kleinen Detailhandel mit einem Mitarbeiter weiterführte. Ab 1865 arbeitete Peter Habigs Bruder Carl mit, der ebenfalls von Salmünster nach Wien übersiedelt war. 1867 errichtete Habig eine eigene kleine Werkstätte, in der er Seidenhüte herstellte und sich zunehmend auch mit der Filzhutproduktion beschäftigte. Da zu dieser Zeit nur englische Fabrikate gefragt waren, wurden die Lagerbestände zunächst unter einem englischen Phantasienamen auf den Markt verkauft. 1871 machte er seinen Bruder Carl zum Kompagnon. Das Unternehmen trug ab diesem Zeitpunkt den Namen “P. & C. Habig”. Die Produkte wurden von nun an unter dem eigenen Namen abgesetzt, obwohl die englische Konkurrenz weiterhin sehr stark war.

Die Basis für den internationalen Erfolg wurde 1870 mit der Goldmedaille auf der Internationalen Ausstellung in Kassel gelegt. 1873 nahm Habig an der Wiener Weltausstellung teil und erlangte die bedeutende Auszeichnung “hors concours Juror”. Große Ausstellungserfolge erzielte er auch in Philadelphia (1876), Paris (1878), Antwerpen (1885), Brüssel (1888), Chicago (1893) und Paris (1900, “Grand Prix”).

1874 eröffnete Habig ein vornehmes Geschäft im Palais Todesco in der Kärntner Straße Ecke Walfischgasse. 1882 wurde eine moderne Fabrik in der Wiedner Hauptstraße gebaut, um den Exportaufträgen aus Europa und Übersee nachkommen zu können. 1896 wurde mit dem Bau des Habig-Hofs in der Wiedner Hauptstraße begonnen. Das Wohn-, Geschäfts- und Warenhaus wurde von Carl Holzmann und Heinrich Adam gestaltet. Das Geschäftsportal mit barockisierender vergoldeter Bekrönung durch einen kaiserlichen Doppeladler sowie die reiche Innenausstattung mit barockisierenden Stuckdecken und färbigem Wappendekor sind heute noch erhalten und denkmalgeschützt.

Von Algerien bis Uruguay

Das Unternehmen P. & C. Habig wurde Hoflieferant für die Herrscherhäuser in Österreich, England, Griechenland, Serbien, Nassau-Luxemburg und Preußen, außerdem Kammerlieferant für Kaiser Franz Joseph und für mehrere österreichische Erzherzöge. Peter Habig erhielt zahlreiche Auszeichnungen wie die “Allerhöchste Zufriedenheit Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef” und wurde unter anderem zum Ritter der französischen Ehrenlegion, zum Kommandeur des kaiserlichen russischen Stanislaus-Ordens II. Klasse und zum Ritter des Ordens der Eisernen Krone III. Klasse ernannt. Neben den zwei Niederlassungen in Wien und der vornehmen Filiale in Berlin waren die Erzeugnisse in verschiedensten Ländern von Algerien über Indien und Russland bis Uruguay erhältlich. “Es gehörte zum guten Ton der Gesellschaft, einen ‘Habig-Hut’ zu tragen. (…) Peter Habig gehörte zu den Begründern des guten Rufes der Wiener Mode, er war für die österreichische Bekleidungsindustrie ein Pionier”, formuliert es Gustav Otruba in seinem Beitrag im Band “Altösterreichische Unternehmer”. Habig war Gründer des Klubs österreichischer Hutfabrikanten und eines der wenigen nicht-adeligen Mitglieder des Wiener Golfclubs. Er war im Österreichischen Hutmodenverein und der Wiener Hutmacher-Genossenschaft engagiert.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie brach ein großer Teil der Kundschaft weg. Auch die Inflation und die allgemein schlechte Wirtschaftslage in der Zwischenkriegszeit machten dem Unternehmen stark zu schaffen. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion auf ein Minimum heruntergefahren, da es an Materialien fehlte und Arbeitskräfte nicht verfügbar waren. In der Nachkriegszeit waren Habig-Hüte auf Kleiderkarten erhältlich. Der Betrieb wurde vor allem durch Reparaturen alter Hüte am Leben erhalten. Die Bedeutung des Hutes als Modeaccessoire nahm generell ab. 1969 wurde Carl F. Habig, geboren 1942, der alleinige Geschäftsführer. Das Geschäft in der Kärntnerstraße wurde verkauft, der Produktionsbetrieb wurde in der Wiedner Hauptstraße zusammengeführt und 1972 mit neuen Maschinen völlig modernisiert. Die Firma lieferte wieder in sechzehn Länder. Mittlerweile wird das Unternehmen in fünfter Generation betrieben: Seit 2006 entwirft und gestaltet Barbara Habig Hüte mit traditionellem Namen in Wien.

 

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
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