_H2A9928_-

In Berlin hat mit “Heiner Schneider” ein neuer Herrenausstatter – inklusive angeschlossener Reinigung und Änderungsschneiderei – eröffnet. Und zwar mit einem richtig schönen Ladengeschäft und ohne den üblichen “Dresscode Berlin” Style-Quatsch. Wir haben uns mit dem Inhaber des gleichnamigen Geschäftes, Heiner Schneider, ein wenig unterhalten.

Herr Schneider, mutige Entscheidung ein neues stationäres Geschäft zu eröffnen, denn der Untergang des Einzelhandels ist ja ein Dauerthema.

Für jede Regel existiert eine Ausnahme. Wir glauben, dass wir mit unserer Liebe und Leidenschaft zu neapolitanischen Handwerkskunst den Männern in Berlin etwas präsentieren und näher bringen können, was es in dieser Form in Berlin bisher nicht gibt. Wir haben großen Spass daran, unsere Kunden für unsere Produkte zu begeistern und sie gut einzukleiden. Und das geht nun mal nur in einem stationären Geschäft. Das Internet kann dies nur bedingt leisten.

Warum dieses Geschäft?

Wir haben schon lange Jahre ein großes Faible und eine große Leidenschaft für handwerklich produzierte Herrenbekleidung. Seit vielen Jahren haben wir die Branche als Kunden kennengelernt. Vor cirka drei Jahren kam es dann, dass der Inhaber eines Maßateliers in Berlin Schöneberg unerwartet verstarb. Ich war dort langjähriger Kunde und es stand zu befürchten, dass das Atelier geschlossen werden würde. Ich wollte unbedingt vermeiden, dass diese Handwerkskunst der fantastischen Mitarbeiterinnen verloren geht. Keiner in unserer Stadt kann die von mir so geliebten Knopflöcher so perfekt wie diese Schneiderinnen.

IMG_4389_

Ich habe dann den Laden übernommen, neu strukturiert, komplett modernisiert und aufgrund der stetig wachsenden Nachfrage die Anzahl der Mitarbeiter aufgestockt. Wenige Monate später, drohte auch die von mir seit Jahren frequentierte Reinigung geschlossen zu werden. Kurzerhand übernahm ich auch dieses Geschäft. So bin ich dann Stück für Stück als Neuling in alles hineingeschlittert. Vor knapp zwei Jahren wurde dann wenige Meter vom Maßatelier entfernt in der gleichen Straße ein Ladengeschäft frei, welches ich anmieten konnte. Daraus entstand dann zusammen mit einem Freund die Idee für einen eigenen kleinen Herrenausstatter.

Was wollen Sie anders machen?

Wir setzen nicht auf große und etablierte Marken sondern präsentieren kleine und innovative neapolitanische Handwerkskunst mit einem zeitgemäßen Konzept und Anspruch. Wir wollen unsere Kunden abseits der ausgetretenen Pfade für diese kleinen Manufakturen begeistern.

Wie sind Sie zum Thema Herrenbekleidung gekommen?

Als begeisterter und immer neugieriger Kunde.

Was interessiert Sie daran besonders?

Mit der Mischung aus Farben, Stoffen und Formen bzw. Schnitten der eigenen Persönlichkeit Ausdruck verleihen zu können.

Erkenntnisse und Regeln zum Thema Bekleidung sind ja nicht selten, was halteten Sie davon für wichtig?

Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden. Oder um es anders zu sagen: Jeder sollte auch im Bereich der Bekleidung das tun, was er für richtig erachtet.

Ihr Angebot mit Herstellern wie Isaia, Stile Latino und G.Abo richtet sich an wen?

Es richtet sich an Herrn mit fortgeschrittenen und ausgeprägtem Qualitäts- und Stilbewußtsein.

Header_

Wo kauft der Mann in Berlin ein und nach welchen Kriterien?

Ab jetzt kauft er bei uns ein. Mit viel Freude und Spass am Auswählen und Anprobieren.

Wo und was kaufen Sie?

Da wir für das Geschäft nur das eingekauft haben, was uns selbst 100%ig gefällt, sind wir mit Sicherheit unsere besten Kunden.

Sind Marken dabei wichtig?

Marken haben bei uns nur eine untergeordnete Bedeutung. Stoffauswahl, Farben, Verarbeitungsqualität und Passform sind für uns entscheidender.

Welche Bestandteile braucht die Herren-Garderobe nach Ihrer Ansicht heute?

Qualität, geschmackvolle Zusamenstellung und ein lockeres und gepflegtes Erscheinungsbild.

Wie stehen Sie zu Handarbeit und Massanfertigung?

Handarbeit und Massanfertigung sind für uns ein ganz wesentlicher Faktor. Mama´s Eintopf schmeckt ja auch besser als eine Dosensuppe.

Ist klassische Herrenbekleidung old school?

Nein, das Ziel sollte lediglich sein, die klassische Herrenbekleidung immer wieder neu zu interpretieren.

Und sind jüngere Kunde überhaupt bereit, für handwerklich gefertigte Bekleidung soviel mehr als für einen auch nicht schlechten Anzug von Massimo Dutti auszugeben?

Nach unserer Erfahrung ist das durchaus der Fall, so lange beim Kunden die Leidenschaft für hochwertige Herrenkleidung vorhanden ist. Das Alter des Kunden spielt dabei keine große Rolle.

Wie kann der Handel diese Zielgruppe erreichen?

Durch Beratung, überzeugende Präsentation und ein spannendes Sortiment.

Das Angebot und der Markt für Herren-Bekleidung wächst, der Handel, zumindest der stationäre, schrumpft eher. Der klassische Herrenausstatter-Laden ist ein Auslaufmodel, Monolabel-Geschäfte, Onlinehändler und Kaufhausmarken dominieren den Markt. Wie sehen Sie die Entwicklung des Handels in Deutschland?

Was Sie beschreiben, entspricht sicherlich den Tatsachen. Wir spüren dennoch, dass kleine Einzelhändler zunehmend ihr Klientel finden und insbesondere von denjenigen Kunden frequentiert werden, die sich im Onlinehandel und in Kaufhäusern nicht entsprechend aufgehoben fühlen.

Und wo steht Ihr Geschäft fünf Jahren?

Wir hoffen, in 5 Jahren eine große sartorale Fangemeinde um uns geschart zu haben, die unsere Leidenschaft teilt.

Schenken Sie uns zum Schluß eine Weisheit:

“Das Leben ist kurz. Brich die Regeln, verzeihe schnell, küsse langsam, liebe wahrhaftig, lache hemmungslos und kleide dich stilvoll (frei nach Marc Twain).”

Mehr unter: www.heinerschneider.de

 

 

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL