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Cristiano Fissore war in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein Synonym für höchste Qualität und beste handwerkliche Kompetenz bei der Herstellung hochwertiger Cashmereprodukte. Mit seiner Partnerin Lucia Bosisio schuf er ab Anfang der 1980er Jahre an der Ligurischen Küste in Zusammenarbeit mit kleinen „Laboratori“ Kunstwerke in Rippenstrick. Der geschätzte Herr Fissore war zu dieser Zeit einer der besten Amateur-Golfspieler und nannte seine Modelle etwas unkreativ “Drive Bunker”, “Eagle” und “Birdie”. Aber gut, damals hatte der Sport ja auch noch mehr Exklusivität. Doch die Machart seiner Stickwaren – die sogenannte Maglie Inglese – war damals jedenfalls etwas ganz besonderes. Im Deutschen gewohnt technokratisch auch als Rippenstrick bezeichnet, vereinte diese Strickmethode zwei untypische Strickmuster: so erlangte diese Art der Garn-Verarbeitung schnell den Namen „Tipo Fissore“. Und noch ein weiterer Umstand machten das Produkt von Cristiano Fissore einzigartig: In den 80iger Jahren lag auf 100%igem Cashmere eine besondere Luxussteuer, die die Strickwaren aus dem edlen Material extrem verteuerte. In Kooperation mit der Filatura Chiavazza aus Biella entwickelten Herr Fissore und Frau Bosisio ein Garn mit 90 % Cashmere- und 10% Lambswool-Anteil. So wurde nicht nur die Luxussteuer umgangen, sondern die Strickteile konnten bequem in der Waschmaschine gewaschen werden und hatten nahezu kein Pilling.

Soweit, so schön. Großer Erfolg, beste Händler in aller Welt verkauften Fissore, die Kunden erlebten echte Cashmere-Hochkultur. Gianni Agnelli und Jackie Onassis waren Kunden des damaligen Cashmere-Papstes. Und dann kam, was in dieser Branche oft passiert: der billige Cashmere wurde entdeckt, bei Karstadt gab es Kaschmirpullover für 99 DM und die Händler waren wie stets nicht in der Lage, den Kunden echte Qualität zu verkaufen. Die Marke wurde schließlich an einen Strickproduzenten in der Nähe des Gardasees verkauft, der gerne den Glanz der Marke Fissore für sich einsetzen wollte. Allerdings mit einer überzogenen modischen Aussage, die weder Qualität noch Identität hatte. So wurde der “echte” Cristiano Fissore klammheimlich vom Markt genommen und war vergessen.

William Wegman per Fissore 1994

Nun ist die Marke in neue Hände gekommen und das was von dort zu hören ist, gibt doch Anlaß zur Hoffnung. Denn den neuen Inhabern von Cristiano Fissore ist es gelungen, einen der wirklich alten und qualtitätsverrückten Strickproduzenten für eine Zusammenarbeit zu begeistern. Mit der Firma Loro Piana ist dann auch noch ein Garnlieferant im Boot, der das spezielle 90/10 Garn exklusiv nachempfindet und in 100% Cashmere produziert (In Italien ist die Luxussteuer auch Vergangenheit). Kurzum: Handwerklich und qualitativ kann mit diesen guten Voraussetzungen an die großen Zeiten der Marke angeknüpft werden. Wir sind gespannt.

 

 

 

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
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