Jetzt schreiben die auch noch über Wein? Was soll das? Gute Frage! Antwort: Weil derjenige, der Wert auf Qualität in sartorialen Dingen legt, in der Regel seinen Durst nicht (ausschließlich) mit Dornkaat, Bommerlunder und Kamillentee löscht. Und weil wir schlicht und einfach gern Wein trinken und dabei immer wieder auf Interessantes stoßen. Die Wahrheit am Boden eines Weinglases konnten wir leider noch nicht finden, suchen aber noch und merken, das diese Suche deutlich mehr Freude macht als das Philosophieren ohne Wein. Und je besser der Wein, desto freudvoller die Suche.

Deshalb werden wir künftig an dieser Stelle unregelmäßig auch mal den einen oder anderen Wein oder Winzer vorstellen. Vielleicht dient das ja auch unseren Lesern als Inspiration. Dabei werden wir selbstverständlich auf Bewertungen nach Punkten verzichten, denn Geschmack ist subjektiv und in einem Punkteschema nicht zu erfassen, zudem ist jede Probe nur eine subjektive Momentaufnahme. Und Prognosen über die Entwicklung a la „zu trinken zwischen 2019 und 2027“ sind aus unsere Sicht Schwachsinn. Das Gleiche gilt für Sprachblüten wie „am Gaumen Sarotti Schokolade” und Konsorten.

Genug der Vorrede, zum Wein. Champagner ist ein, wenn nicht das Synonym für ein Luxusgetränk. Dieses Image wurde und wird gefördert durch die großen und durchaus traditionsreichen Champagnerhäuser, die heute oft Teil eines börsennotierten Konzerns sind. Gegen diese Produkte ist – abgesehen vom Preis- grundsätzlich nichts einzuwenden. Eine Flasche Dom Perignon ist in aller Regel eine gute Flasche Champagner, aber eben auch ein standardisiertes Produkt mit allen Vor- und Nachteilen. Eine Art „Amselfelder“ für Millionäre eben. Man macht nichts falsch, das ist oft schon eine Errungenschaft.

Winzerchampagner ist der Gegenentwurf dazu. Dort werden die Trauben aus den eigenen Weinbergen verarbeitet, es gibt immer eine Verbindung zwischen dem Produkt, dem Weinberg und dem Menschen, der den Wein geschaffen hat. Das dies nicht immer und zwangsläufig gut sein muss, belegt so mancher Winzerchampagner, bei dem man sich fragt, ob es nicht besser gewesen wäre, der Winzer hätte die Trauben verkauft und wäre von dem Geld in den Urlaub gefahren, anstatt den Wein zu produzieren. Denn Champagner zu produzieren ist aufwendig und kostspielig, guter Champagner ist deshalb auch niemals billig, guter Champagner vom Winzer ist aber immer preisgünstig.

Roger Brun führt in Ay einen sehr traditionsreichen Familienbetrieb

Die teuersten und oft auch besten Trauben in der Champagne stammen aus den Grand Cru Lagen. Diese wiederum wachsen in dem riesigen Gebiet Champagne mit tausenden von Gemeinden nur in insgesamt 17 Gemeinden. Für uns gibt es innerhalb dieser Elite aber noch eine „Creme de la Creme“, das ist weitgehend persönlicher Geschmack, aber die Auswahl ist dennoch nicht exotisch. Für Chardonnay sind es die Gemeinden Cramant und Le Mesnil an der Cotes des Blancs, und die Gemeinden Ay, Ambonnay und Verzenay für Pinot Noir Trauben.

Roger Brun führt in Ay einen sehr traditionsreichen Familienbetrieb, der es bezüglich der Historie mit jedem der großen Häuser aufnehmen kann. Das Anwesen liegt neben der kleinen Kirche im Zentrum von Ay. Roger Brun verfügt über exzellente Lagen, gepaart mit einem traditionellen Qualitätsbewusstsein führt das, Wunder oh Wunder, zu exzellenten Weinen.

Besonders empfehlenswert sind die gezeigten Spitzenweine der Domäne, der „Cuveee des Sires“ und der Lagenchampagner „La Pelle“. Roger Brun ist ein extrem begeisterter Rugbyfan und war offensichtlich früher auch aktiv sehr erfolgreich, wie die Bilder in seinen Empfangsräumen zeigen- Dort sind neben den üblichen Auszeichnungen auch Fotos aus der Umkleidekabine aus dem Jahr 1987 zu sehen. Rugby, das sollte man wissen ist: A hooligan`s game played by gentlemen. Also zählen nicht nur rohe Kraft, sondern auch Sportsgeist und Raffinesse. Und deshalb ist Roger Brun auch genau der richtige Mann für die Pinot Noir Trauben aus seinen Spitzenlagen aus AY, die ebenfalls vor Kraft strotzen aber dennoch keine grobschlächtigen Champagner werden, sondern komplexe Weine voller Harmonie und mit langer Lebensdauer.

Wir haben Roger Brun auf seinem Gabelstapler angetroffen und bei der Arbeit gestört. Der Mann spricht nicht nur hervorragend Deutsch, er spricht es auch in einer extrem sympathischen Art, indem er freundlich lächelnd die Ay Trauben nicht als Pinot Noir bezeichnet, sondern sich ein herrliches „Spätburgunder“ abringt, was für französische Zungen sicher mit erheblicher Verletzungsgefahr verbunden ist. Man muss den Mann einfach mögen!

Im Glas findet man dann mit seinem Champagner ein echtes Getränk, kein harmloses Schaumweinchen zur Befeuerung der Damenwahl. „La Pelle“ ist 100% Pinot Noir (Spätburgunder) aus der gleichnamigen Lage in Ay. Den kann man bedenkenlos zu einem Fleischgericht trinken und genießen.“ Cuvee des Sires“ hat einen Anteil an Chardonnay, ist aber ebenfalls alles andere als ein geschmacklich eindimensionales Leichtgewicht. Wir haben nicht gefragt, nehmen aber an, das die Chardonnay Trauben für den „Cuvee des Sires“ aus Grand Cru Lagen an der Cotes des Blancs stammen, die üblicherweise im Rahmen eines Tauschgeschäftes (z.B. Pinot Noir aus Ay gegen Chardonnay aus Cramant) bezogen werden.

Die Weine sind am besten vor Ort zu bekommen www.champagne-roger-brun.com

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL