bernd_kreis

Ihr Familenunternehmen hat ja schon eine schöne Tradition. Was hat sich in Ihrem Handwerk in den letzten Jahren verändert?

Dank unserer Kunden, die eine gute Arbeit wertschätzen, dürfen wir heute unbeschwerter als noch vor 15 Jahren die Handwerklichkeit und die Qualität der eingesetzten Leder immer weiter entwickeln, ohne auf den allerletzten Euro schauen zu müssen.

Wenn damals die Meinung vorherrschte, dass ein in Deutschland handwerklich hergestelltes Lederprodukt pauschal „sowieso zu teuer“ sei, wird heute verstanden, dass bei einem wirklich hochwertigen Lederartikel alleine der Materialanteil bis zu 75 Prozent ausmachen kann. So macht eine Produktion „made in Germany“ Sinn und genießt heute das besondere Vertrauen der Kunden.

Finden Sie überhaupt noch qualifizierte Mitarbeiter. Was muss man mitbringen , um in Ihrer Manufaktur arbeiten zu können?

In den letzten Jahren konnten wir gute, erfahrene Mitarbeiter hier in unserem Landkreis finden, weil Lederverarbeiter Ihre Betriebe schlossen oder verkleinerten. Mitarbeiter, die bei uns mitmachen wollen, sollten eine Ausbildung als Feintäschner oder Sattler absolviert haben und dürfen gerne auch Berufserfahrung und eine gute Portion Arbeitsfreunde mitbringen. Zukünftig möchten wir auch Ausbildungsplätze anbieten, um Nachwuchskräfte für unseren Betrieb und unser Handwerk zu begeistern.

Wie hoch ist der Anteil von Handarbeit bei Ihren Produkten?

Sehen Sie sich um. Wir setzen ein paar einfache Hilfsmaschinen ein wie z.b. Stanzen, Schärf-, Spalt- und Nähmaschinen, um unsere Produkte herzustellen. Aber selbst bei der Bedienung von diesen Maschinen kommt es sehr darauf an, dass z.B. das Halten und die Führung des Leders mit viel Gefühl und jahrelang geübten Handgriffen ausgeführt wird. Und der der Rest geschieht sowieso von Hand.

fotos-kreis-sattler

Die Beschaffung von Rohstoffen in guter Qualität wird schwieriger. Woher beziehen Sie Ihre Häute?

Leder kaufen wir nahezu weltweit bei spezialisierten Gerbereien. Aber auch in Deutschland gibt es dafür noch echte Spezialisten. Natürlich haben Sie Recht: Wenn ich den Berichten der deutschen Gerbereien zuhöre, dann wird es tatsächlich von Jahr zu Jahr schwieriger, eine gute Rohhautqualität zu beschaffen. So ist z.B. die Rohhautqualität von Mast-Kühen nicht für hochbelastbare Sattlerqualitäten zu gebrauchen, weil ein Tier, das im Vergleich zum natürlichen Aufwachsen in ca. 2,5-facher Geschwindigkeit wächst, nicht nur schlechtes Fleisch, sondern auch schlechte Häute liefert.

Spielt Qualität überhaupt noch eine Rolle? Kaufen die Kunden nicht eher Labels, ohne der Herstellung noch besonderen Wert zuzumessen?

Für uns spielt die Qualität die einzig bedeutende Rolle. Die Qualität aller eingesetzten Materialien und natürlich auch die Qualität der Konstruktion und des Handwerks.

Ich glaube, dass die Anzahl an Kunden wächst, die lieber beim Produktspezialisten eine ehrliche Qualität für einen nachvollziehbar hohen Preis kaufen. Echte Label-Freaks werden wir damit natürlich nicht erreichen, aber die dort häufig enttäuschenden Qualitäten tragen Ihren Teil dazu bei, dass der eine oder andere Kunde doch über sein Einkaufsverhalten nachdenkt.

Gürtel, Taschen, Portemonnaies fallen im Handel meist in die Kategorie Accessoires und werden selten aktiv gezeigt oder verkauft. Wie arbeiten Sie mit dem Handel zusammen.

Unsere Produkte benötigen beigeisterte und informierte Mitarbeiter im Verkauf. Wenn dem Kunden vermittelt werden kann, wie sich unsere Qualitäten vom Marktüblichen unterscheiden, sind wir erfolgreich. Deshalb besuche ich unsere Kunden im Fachhandel persönlich, um Leder- und Produktschulungen durchzuführen.

Wo gibt es Kreis-Produkte in Deutschland.

Kreis Produkte findet man bei anspruchsvollen Männermodegeschäften, bei Schuhgeschäften, die hochwertige rahmengenähte Schuhe führen oder neuerdings auch in sogenannten Concept-Stores, die exklusives „Männerspielzeug“ anbieten.

Die Japaner sind ja regelmässig völlig aus dem Häuschen beim Anblick Ihrer Produkte. Woran liegt das?

In Japan gibt es eine lange Tradition verschiedener Handwerkskünste und die Menschen dort sind extrem detailverliebt und wissensdurstig. Es macht den Japanern deshalb verständlicher-weise viel Spaß, die Details unserer Produkte kennen zu lernen. So überrascht und begeistert es stets, wenn man auf versteckte Qualitätsmerkmale wie z.B. die Abfütterung von Kreditkartenfächern in Portemonnaies mit extrem widerstandsfähigem Känguruleder anstelle von herkömmlichen Synthetikgeweben hinweist.

Leider sind die gleichen Japaner ebenfalls begeisterte Liebhaber von internationalen Luxusmarkenartikeln, die qualitativ allerdings nur selten als anspruchsvoll zu bezeichnen sind.

Beschrieben Sie den Kreis-Kunden?

Kreis Kunden sind aufgeschlossene Leute mit Qualitätsanspruch und einem besonders ausgeprägten Sinn für alles Haptische. Wenn man sich bei der Kaufentscheidung auf seinen Tastsinn verlässt, haben Kreis Produkte immer eine gute Chance.

Außerdem: Kreis Kunden sind natürlich nette Menschen!

Welche Sonderanfertigungen der vergangenen Jahre haben Sie am meisten beeindruckt?

Einmal war es ein Uhrband für einen berühmten Box-Profi. Dieses Uhrband wirkte vom Format eher wie ein Kindergürtel und konnte meine beiden Handgelenke zusammen genommen umschließen. Witzig war auch eine Aktentasche mit mehreren Extra-Fächern für die Lieblingszigarre des Kunden oder eine Reisetasche aus grünem Kalbsvelour mit Außenfächern aus Rochenleder.

Warum fertigen sie eigentlich keine Lederprodukte rund um den ganzen Iphone, Ipad und I-irgendwas-Hype?

Dieser Markt ist uns und den meisten unserer Händler zu hastig. Wenn man gerade eine Serie von Etuis auflegt und dabei die Information über den nächsten Modellwechsel verpasst hat, war alles für die Katz. Gezielte Kundenanfragen nach Etuis in klassischer Ausführung können wir bedienen, aber in unserer Kollektion lassen wir dieses Thema einfach aus.

Sind neue Produktgruppen für Sie ein Thema, wenn ja, welche?

Mit dem Markt für Uhrbänder sollten wir uns wirklich einmal intensiver beschäftigen. Nachdem ich von einem der beiden letzten Altgerber erzählt bekam, dass man früher Altgerberleder für orthopädische Anwendungen einsetzte und Menschen Bandagen aus diesem Leder jahrelang auf der Haut tragen konnten ohne von Geruchsproblemen oder Hautreizungen geplagt zu werden, hatte ich vor mehr als 10 Jahren die Idee Uhrbänder mit einer Abfütterung aus diesem Material auszustatten. Seither fertigen wir lediglich in Einzelanfertigung und Kleinstserien solche Uhrbänder, erhalten dafür extrem viel Lob, haben aber diesen Markt nie weiter bearbeitet.

fotos-kreisgriff

Schenken Sie uns eine Weisheit.

„Was nichts kostet taugt nichts“ sagte meine Oma und wusste offensichtlich schon vor mehr als 50 Jahren, was von „Geiz ist Geil“ zu halten ist.

Was sie leider nicht vorhergesehen hatte: Marken, die damals ein an das Markenzeichen geknüpftes Qualitätsversprechen ernst genommen hatten, haben dieses Versprechen im Laufe der Zeit mehr und mehr in ein reines Image- bzw. Statusversprechen gewandelt. Seither kann man leider nicht sicher sein, dass wenn Etwas was kostet, dass es auch etwas taugt. Hier können im Allgemeinen nur Produktspezialisten – aus meiner Sicht die wahren Marken – Abhilfe schaffen.

Die Kreis Ledermanufaktur wurde im September 1963 von dem gelernten Feintäschnermeister Erich Kreis gegründet. Seit 1996 führt Bernd Kreis, der übrigens Dipl. Ing. für Kunststofftechnik ist, die Geschäfte. Ab 2007 wird in einer neuen Werkstatt in Obertshausen gearbeitet, zuvor war der Betrieb im Nebengebäude des Familienwohnhauses untergebracht. Die Kreis Ledermanufaktur erzielt 85% der Umsätze im deutschen Markt. Gründer Erich Kreis (81) kommt noch gerne jeden Tag in die Werkstatt um zu helfen.

 

 

 

 

 

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL