Von Edelardo Feinolini

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Der gute alte Luxus ist unverschuldet in einen Zweifrontenkrieg geraten. Die einen beklagen seine Verpöbelung, weil sich zu viele mit vermeintlichen Luxusmarken schmücken. Die Anderen geißeln ihn als Ikone der Dekadenz. Diejenigen, die unter Luxus eine Anhäufung von teuren Labels sehen, setzen Luxus mit Geld gleich. Die Gleichung lautet: Teuer=Exklusivität=viel Nährwert fürs Ego. Daher auch das Wehklagen, wenn die Haushaltshilfe mit einer gut gemachten Hermes-Kopie das Haus betritt. Dieses Luxusverständnis ist eher primitiv und verkennt den wahren Kern des Luxus als zivilisatorische Kraftquelle. Ein hoher Preis schafft zwar eine Exklusivität, weil ihn wenige bezahlen können. Echter Luxus ist aber nicht des Preises wegen exklusiv, sondern aufgrund der Qualität.

In diesem Irrtum sind die Exklusivitätsfanatiker den vermeintlichen Luxusasketen eng verbunden, denn beide haben keine Vorstellung davon, was Luxus wirklich ist. Luxus ist gerade nicht die verdammenswerte Standarte der moralisch debilen Ausbeuterklasse. Man sollte diese Möchtegernasketen daran erinnern, dass es in Deutschland bereits einmal eine weitgehend luxusfreie Gesellschaft gegeben hat, nämlich die DDR. Deren ästhetische Errungenschaften auf dem Gebiet der Mode, Architektur und des Designs sind ja Legende!

Wer braucht schon einen handgemachten Anzug aus Apulien?

Natürlich ist es so, dass Luxus meist dort seinen Ausdruck findet, wo es nicht um Dinge geht, die zum Überleben notwendig sind. Wer braucht schon einen Seamless-Schuh aus Krokodilleder, einen Anzug aus Apulien oder einen Kaschmirpullover zum Überleben? Dafür sind diese Dinge offensichtlich nicht erforderlich. Sie sind aber als Zeugen und Beweise für eine Zivilisation und Kultur ebenso relevant wie Literatur und Musik. Ohne Goethe, Mozart und Beethoven würde in Deutschland auch niemand erfrieren oder verhungern. Unsere Welt wäre aber ein ganzes Stück ärmer. Ebenso verarmt unsere Welt, wenn Kreativität und das handwerkliche Know-how verloren gehen, die zur Herstellung einer guten Aktentasche oder einer Anzugsschulter erforderlich sind. Diese Dinge sind nicht billig, aber es gibt einen zwingenden Grund für ihren Preis.

Während die gängigen Luxusmarken versuchen, Exklusivität durch das Preisschild zu vermitteln, liegt die Exklusivität der wirklichen Luxusprodukte am hohen Anteil an Handwerkskunst. Die muss bezahlt werden, am besten von Leuten, die das Produkt verstehen und deshalb schätzen. Kunst kann man nur verstehen, wenn man sehen kann. Literatur nur, wenn man lesen und denken kann. Genau so lässt sich der Geschmack bilden. Erst dann gewinnt man ein Verständnis für echten Luxus jenseits der überteuerten Labels, mit deren Hilfe so mancher Ratlose vergeblich versucht, sein Selbstwertgefühl zu heben. Wahrer Luxus ist stiller und persönlicher, ein Stück individueller Lebensqualität eben.

Menschliches Streben nach Kultur und Schönheit

Echter Luxus ist Schönheit. Man kann auch hässlich überleben, aber anders ist es eben schöner! Damit ich hier nicht falsch verstanden werde, ein hangenähtes Hemd steht auch für mich nicht auf der gleichen Stufe wie eine Oper von Puccini, aber beides sind zivilisatorische Errungenschaften, die das menschliche Streben nach Kultur und Schönheit belegen.

Wir kämpfen für diesen echten Luxus, dessen Genuss jedem offen steht, der sich darauf einlässt. Natürlich ist es so, dass sich nicht jeder ein notwendigerweise teures Produkt echter Handwerkskunst leisten kann oder will. Das sollte aber niemanden davon abhalten, diese Produkte zu verstehen und zu genießen. Nach meiner Erfahrung finden diese Produkte auf scheinbar wundersame Weise immer den Weg zu denen, die sie schätzen.

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DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
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