In den Sommermonaten droht aus dem Ort Truchtlaching regelmäßig Unruhe in unserer Nachbarschaft. Hier, wo sich sonst nur feinste bayerische Tourismusklischees Bahn brechen, kommt es durch eine einzigartige sportliche Tradition zu Irritationen. Wir klären auf.

Im Zentrum stehen Truchtlaching an der Alz und seine aufmüpfige männliche Jugend. Die Söhne der Ortes gefallen sich nämlich seit rund 40 Jahren in einer besonderen Wassersportart: Dem so genannten “Preißn versenken”. Der Volkssport hat die riesigen Schlauchboot-Geleitzüge zum Ziel, die in den Sommermonaten gut gefüllt mit Touristen über die Alz schippern. Von der Truchlachinger Alzbrücke werfen sich die bayerischen Helden dann mit gewagten Sprungfiguren (von der Arschbombe bis zum Steckenpferd) in den Fluß, um die Gummiboot-Besatzungen (Preißn) zu erschrecken und ordentlich mit Wasser zu bespritzen. Also eine eher spielerische Form des Versenkens. Wie in der historischen Filmaufnahme gut zu erkennen:

Der Name des “Gegners” – der “Preiß” – bezeichnet dabei schon langen nicht nur die Bewohner des Deutschen Kaiserreiches mit nord- oder ostdeutscher Sprachfärbung, sondern mehr oder weniger alle Nicht-Bayern. Kurz um, versenkt wird alles, was nicht bayerisch aussieht. Die genannten Kriterien für “Bayerisch-Sein” sind im Wesentlichen das Mitführen großer Mengen Biers und ein eher lässiges Rudern. Nachdem dieses seit über 40 Jahren gut gehütete Geheimnis der Zielerkennung gelüftet ist, sollte es denn “Preißn” jetzt gelingen, durch kluge Tarnung (Bierkisten und entspanntes Rudern), den Truchtlachinger Gegner zu verwirren und die Alzbrücke unbeschadet zu passieren.

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL