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Wir trafen in München den italienischen Designer Alessandro Dambrosio. Der in Mailand geborene Manager ist unter anderem verantwortlich für Volkswagen Group Design Interbrand Projects und leitet das Konzerndesignstudio in Braunschweig sowie das Audi Konzept Design Studio in München. Er engagiert sich darüber hinaus im Rahmen von “Moving Milan” und dem “Audi Uni-verse” sehr intensiv für den Design-Nachwuchs.

Beschreiben Sie uns bitte Ihre Aufgaben

Gerne. Seit 2014 bin ich Leiter des Konzept Design Studios in München und arbeite mit den beiden Teams Automotive Design und Industrial Design. In beiden Bereichen entwickeln wir Konzepte und unterstützen die Marken Audi, Lamborghini und Ducati mit Inspiration und Ideen. Wir sehen uns dabei als Creative Pool.

Im Audi Industrial Design steckt sehr großes Potential – durch die vielseitigen Themen, Projekte und Partnerschaften können wir auf besondere Art und Weise die Markenwerte von Audi unterstreichen. Gleichzeitig bauen wir ein Netzwerk zu Top-Partnern und Top-Marken wie zum Beispiel Leica oder Boesendorfer auf und positionieren Audi damit noch stärker als Designmarke.

Was begeistert Sie daran?

Es begeistert mich, mit so einem tollen und kreativen Team zusammen zu arbeiten. Es ist beeindruckend, wie inspiriert und mit welchem Herzblut das Team zu Werke geht. Spannend finde ich auch das Netzwerk, in das wir eingebunden sind und das wir mit unserer Arbeit bereichern können. Ich empfinde die Kontakte zu den anderen Designern im Volkswagen Konzern und den anderen Marken der Audi Group sehr spannend.

Unsere Arbeit setzt ein hohes Maß an Kreativität voraus. Das ermöglicht uns, Ideen umzusetzen und ganz konkret die Zukunft von Audi mitzugestalten. Ich habe eine große Leidenschaft für die Themen Auto, Motorrad und Produktdesign – und die kann ich hier in meiner Funktion einbringen.

Welchen Ihrer Entwürfe/Designs halten Sie für am meisten gelungen?

Ich liebe alle meine Projekte! Jedes neue Projekt ist für mich eine neue Möglichkeit, etwas dazu zu lernen und zu gestalten. Wenn ich zwei Projekte herausheben muss, dann diese:

Der Lamborghini Egoista. Eine Designstudie, die wir zum 50-jährigen Bestehen von Lamborghini gestaltet haben. Sie wird durch Inspirationen aus dem Flugzeugbau ergänzt – und das im Exterieur wie auch im Interieur. Dabei haben wir bewusst auf den intelligenten Einsatz von Materialien geachtet. Damit steht diese Studie ganz in der Tradition der Marke Lamborghini.

Und die Leica T, eine Premium Systemkamera. Leica passt ganz hervorragend zu Audi. Es ist uns gelungen, die DNA der beiden Traditionsmarken miteinander zu verbinden und ein Produkt zu gestalten, das durch Reduktion, Hochwertigkeit, Präzision und Progressivität überzeugt. Bestätigung haben wir unter anderem durch den Gewinn des Red Dot Designpreises und des iF Awards bekommen.

Sie sind ja in der Nähe der VW Teststrecke in Nardò groß geworden, haben Autos Sie schon immer fasziniert?

Als kleiner Junge habe ich so manche Ferien in der Nähe von Nardò verbracht, das stimmt. Ob mich Autos schon immer fasziniert haben? Aber ja, natürlich. Ich mag gerne schöne und schnelle Autos – davon habe ich schon immer geträumt. Alles hat mit dem Volkswagen Golf GTI angefangen. Mein erstes Auto. Schwarz. Der Kleine war leicht und schnell, das Design kam von Giugiaro. Ein tolles Auto…

Am anderen Ende des Spektrums: der Lamborghini Countach, gestaltet von Marcello Gandini. Dieser Supersportwagen war seiner Zeit weit voraus – Science Fiction für die Straße. Ich mochte aber auch schon immer die Alfa Giulietta SS von Bertone – und die Giulia als grünes Polizeiauto. Die sah man damals in jedem Film. Ich habe mich gleich in dieses aerodynamische Heck verliebt. Das beste Auto der Welt ist für mich der Lamborghini Miura – sehr leidenschaftlich.

Neben all den Autos mag ich aber auch gerne Motorräder. In meiner Garage steht eine Ducati Scrambler – die mag ich sehr. Und daneben eine Vespa. Natürlich.

 Gibt es im Design nationale Unterschiede?

Ja, ich denke schon. Ich glaube, in Nordeuropa legen Designer viel mehr Wert auf Funktionalität und Reduktion. Man kennt das ja: Form follows function. Oder: Reduktion auf das Wesentliche. Ich liebe präzises Design, vor allem präzises Design aus Deutschland. Im Süden Europas spielen Emotion und Gefühl eine sehr große Rolle. Hier ist Design ein Lebensgefühl. Ich finde aber, dass sich beides – Präzision und Gefühl – sehr gut miteinander kombinieren lassen.

Welche Produkte haben Sie als Designer geprägt/beeinflusst?

Ich habe Industrial Design studiert – an meiner Hochschule wurde die Tradition des Bauhaus gelehrt. Deshalb kam ich schon früh mit Entwürfen von Gropius, Itten, Breuer und van der Rohe in Kontakt. Ich habe schon immer die Gradlinigkeit, die Reduktion und die Funktionalität des Bauhauses gemocht. Als Italiener mag ich natürlich auch italienisches Design, zum Beispiel das Design der 50er und 60er Jahre, besonders das Design eines Castiglioni, Albini, Colombo, Gio Ponti, etc.

Auch Philippe Starck hat mich beeinflusst – er steht für charakterstarkes Design und entwickelt sich ständig weiter, erfindet sich permanent neu. Heute führt kein Weg an Apple und damit an Dieter Rams und Jonathan Ive vorbei. Deren Arbeit schätze ich wirklich sehr – sie ist zeitlos, durchdacht und nachhaltig.

Und dann gibt es noch den Automotive-Bereich, die italienischen Klassiker von Carozzeria Touring, Bertone und Pininfarina. Um noch ein Produkt als Einfluss zu nennen: der Citroen DS, die Göttin, ist ein einzigartiger Klassiker – neben dem Lamborghini Miura vielleicht das schönste Auto der Welt. Gestaltet wurde sie von Flaminio Bertoni.

Jenseits der Autobranche: Dem deutschen Mann wird ja gerne eine größere Nähe zur Gestaltung seines PKWs als zu seiner eigenen nachgesagt. Wie erleben Sie das im Vergleich zu Italien?

Ach, ich glaube, das sind Klischees. Für mich ist das eine Frage des persönlichen Lifestyles. Die Liebe zum Auto findet sich, meiner Erfahrung nach, bei beiden Nationen gleichermaßen wieder. Ich kenne aber im Gegenzug auch Italiener und Deutsche, die großen Wert auf Ihr Äußeres legen, jedoch keinen großen Wert auf Automobile.

Wir leben in einer Zeit, die sich permanent weiterentwickelt, die sich verändert. Es ist doch schön, dass es so viele Möglichkeiten gibt – so kann jeder leben, wie er es am liebsten möchte.

Wie beschrieben Sie Ihre Ansprüche hinsichtlich Ihrer persönlichen Gestaltung?

Mit einem Wort: elegant. Ich kombiniere sehr gerne – als Ausdruck meiner Persönlichkeit, als Ausdruck von Individualität. Mode ist mir sehr wichtig. Ich glaube, sie unterstreicht den Charakter.

Was ist für Sie bei Herrenbekleidung wichtig?

Ich mag keine modischen Trends, laufe nicht aktuellen Strömungen hinterher. Auch hier ist mir Zeitlosigkeit sehr wichtig. Bei der Auswahl der Bekleidung achte ich besonders auf Qualität. Und ich muss mich wohlfühlen.

Ist Handarbeit überflüssig?

Nein, zum Glück ist Handarbeit überhaupt nicht überflüssig – wird es auch nie sein. Ich halte Handarbeit und Manufakturen für sehr wichtig, denn sie stehen für Können und hohe Qualität – und damit auch für Nachhaltigkeit. Handwerk hat Tradition, das Können und die Erfahrung wird von Generation zu Generation weitergegeben. Somit steht der Mensch im Mittelpunkt und nicht die Maschine.

Für mich ist der Kauf bei einem Handwerksmeister eine emotionale Angelegenheit. Das Produkt aus einer Manufaktur erzählt immer eine Geschichte – etwas, das dieses Produkt von einem vergleichbaren unterscheidet. Der Mensch überträgt seinen Charakter auf sein Produkt.

Wo kaufen Sie ein?

Ich mag Maßanzüge – sie stehen für Präzision, Handarbeit und Individualität. Ein Schneider kann mir die Qualität anbieten, die mir sehr wichtig ist. Ich mag Sartoria Colazzo in Martano sehr – Alessandro Colazzo und ich sind befreundet und ich vertraue ihm völlig.

 

 

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DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
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