Fast 10 Jahre her, aber einfach sehr zeitlos.

Wir waren zu Besuch bei Luciano Barbera in Biella. Im Gespräch erläuterte er, der schon früh seinen eigenen Stil entwickelt hat, seinen Werdegang und die Entstehung seiner Kollektion. Sein Vater Carlo schickte Luciano 1956 zur Ausbildung in englische Webereien und hier beeindruckten ihn nicht nur die hohe Qualität der Stoffe, sondern auch die englischen Gentleman und ihr spielerischer Umgang mit Farben und Mustern.

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Diese Anregungen brachte er nach Biella und entwickelte neue Designs für die Barbera-Stoffe. Er selbst entwarf seinen eigenen Bekleidungsstil – eine Art Cross-over italienischer Schneiderkunst und englischer Stoffgestaltung – und ließ sich fortan nach seinen Vorstellungen – und nur für sich selbst – von den besten Handwerkern in der Mailänder Gegend Kleidung fertigen.

Das Foto, das der berühmte Fotograf Ugo Mulas eher zufällig von Barbera machte, ließ den Stoffhersteller aus Italien zu Beginn der 60er Jahre schnell zu einer internationalen Stilikone werden.

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Als schließlich der amerikanische Händler Murray Pearlstein, dessen Geschäft Louis Boston zu den wichtigsten Herrenaustattern der Welt zählt, bei Luciano Barbera anrief und eine stattlicher Zahl der Anzüge bestellen wollte, die er bisher nur für sich hatte anfertigen lassen, begann Luciano Barbera mit der Herstellung seiner gleichnamigen Kollektion.

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SW: Herr Barbera, wie ist Ihre Kollektion entstanden?

Luciano Barbera: „ Ich wollte von Anfang an meinen eigenen Stil entwickeln; Stoffe, Schnitte und Accessoires die mir gefielen habe ich in einen neuen Look transformiert, so entstand eine eigenständige Kollektion, die aufs Beste Handwerkskunst und Design „Made in Italy” vereint”.

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SW: Ihr Credo?

Luciano Barbera: „Stil kommt von Innen, gute Kleidung ohne Seele ist wertlos”.

SW: Welche Rolle spielen Qualität und Passform für Sie

Luciano Barbera: „Beides ist die Voraussetzung für ein gutes Produkt. In meinen Produkten stecken tagelange Arbeit der erfahrenen Mitarbeiter unseres Familienbetriebs in Biella, wir stehen hier für das wahre „made in Italy” und zwar für „komplett” hier gefertigt und nicht billig und fertig aus China angeliefert und in Italien verpackt. Die Integrität der Produktion ist für mich ein wichtiges Thema”.

SW: Italien hat seine einstige Bedeutung als Produktionsstandort verloren, wie sehen Sie die Zukunft der italienischen Textilindustrie?

Luciano Barbera: „Die italienische Textilindustrie ist nicht durch den Wettbewerb mit asiatischen Billigproduzenten bedroht, sondern vielmehr dadurch, dass die „großen” italienischen Marken nur noch von Controllern beherrscht werden, deren wichtigstes Ziel der Gewinn und nicht die Qualität ist. So kommt heute vieles, was Kunden mit italienischer Handwerkskunst verbinden aus diversen Schwellenländern und wird per Schiff nach Italien verfrachtet, hier in der einen oder anderen – aber immer völlig legalen Form – zu Ende gebastelt und dann als Produkt „Made in Italy” verkauft. Ich finde, das sollte der Kunde aber wissen, also fordere ich mehr Transparenz für Käufer von Produkten „Made in Italy”.

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SW: Was tun Sie für die Zukunftssicherung

Luciano Barbera: „Wir beschäftigen hier in Biella über 150 Mitarbeiter, viele von Ihnen kommen aus Familien, die schon in der dritten Generation für Barbera arbeiten. Ihr Fleiß und ihr Können sind Wettbewerbsvorteile für uns, wenn Qualität zählt. Darüber hinaus geben wir, gemeinsam mit anderen Herstellern, jungen Menschen mit dem „Biella Master” eine Chance, im Rahmen eines 16monatigen Stipendiums die Mechanismen der internationalen Textilindustrie kennenzulernen und anschließend hier in Italien daran mitzuarbeiten, dass unsere Produkte auch in Zukunft im Wettbewerb erfolgreich bestehen können”.

Stil-Tipps von Luciano Barbera gibt es hier.

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
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