Ich stehe hier, ein Herkules mit Fackeln! Sie sollen lodern, leuchten, knistern und auch knackeln! (Donald Duck)

Schwierige Zeiten sind oft Anlass für große Worte und gelegentlich auch für Taten. Hier folgt weder das eine noch das andere. Drei Jahre im Nebenerwerbs-Einzelhandel haben dem Verfasser dieser Zeilen eine gewisse Demut hinsichtlich der merkantilen Perspektiven der sartorialen Welt beschert. Das Interesse schwindet, die Bedeutung von Bekleidung ebenso, die Preise zu hoch, der Handel geprägt von einem ruinösen Unterbietungswettbewerb und die Hersteller auf dem Weg zu eigenen (Online-) Shops. Die Klage allgemeinen stilistischen Verfalls ist wohlfeil, doch auch ihre gebetsmühlenhafte überwiegend humorlose und in holzschnittartiger Gentlemanattitüde präsentierte Wiederholung hat zu nichts geführt. Stilistische Vorbilder aus vergangenen Jahrhunderten haben ebenso wenig Wirkung, wie die selbsternannten Influencer, die überwiegend Kindheitstraumata durch Siegelringe, gewichste Bärte oder einen Maßanzug „für lau“ zu kompensieren suchen. Und so gilt für uns wohl: Wer gestern noch die „richtigen“ Falttechniken für Einstecktücher oder „seinen“ Schneider in XY propagiert hat, wird ebendiese Falttechniken möglicherweise bald für seinen Schriftverkehr mit dem Insolvenzverwalter nutzen können.

In Verbindung mit COVID-19 ist diese Mischung vermutlich enorm toxisch und wird zu langfristigen Verwerfungen bei Herstellern und Handel führen.  Der Erleuchtungsdruck auf alle Marktteilnehmer ist enorm, ich fürchte aber, die erste Reaktion nachdem die Geschäfte wieder öffnen wird ein nie dagewesener Preisverfall bei Bekleidung sein. Gleichzeitig hat niemand Lust auf Kleidung, wenn es um existentielle Sorgen geht. Ein Blutbad im Handel und bei vielen Produzenten wird die Folge sein. Die kleinen familiengeführten Hersteller, Schneider und sonstige Macher individueller Produkte dürften diese Krise besser überstehen als viele andere.

Wir werden uns daher in Zukunft nur und ausschließlich um die Partner kümmern, die uns nicht schon im Frühjahr die Winterware in das Lager schieben wollen und die mit Mut, Anmut, Fleiß und Unbeugsamkeit ihre Dinge gut machen. Daraus folgt der Abverkauf aller verbliebenen nicht maßgefertigten Produkte  (Fralbo, Cordone, 100Hands und unserer Colazzo Kollektion). Die Preise haben wir gesenkt, Angebote sind willkommen.

Weiter gehen wir mit Kreis Ledermanufaktur, Diehm Bespoke, Atelier Leonard Kahlke, PAM Palma, Reiser Hemdenmanufaktur und dem einem oder anderen, der Lust darauf hat. Unser Konzept, im Rahmen von Veranstaltungen Kunden direkt mit den Herstellern zusammenzubringen, hat sich in den letzten Jahren bewährt und auch viel Freude beschert. 

DAS UNABHÄNGIGE FORUM FÜR INDIVIDUALITÄT, EIGENSINN UND STIL
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